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Veränderte Darmflora als Ursache für Anastomoseninsuffizienz?

Das medizinische Rätsel, warum Anastomosen trotz sorgfältiger Nahttechnik nach einer Bauchoperation gelegentlich wieder aufplatzen, scheint gelöst. Wie die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) mitteilte, konnte der US-Chirurg Professor John Alverdy am Tiermodell beweisen, dass ein Eingriff die Zusammensetzung der Darmbakterien so verändern kann, dass sie giftige Substanzen freisetzen und die Wundheilung stören. Daher forschten Experten jetzt an einem Gegenmittel, das anders als Antibiotika keine Resistenzen fördert. Für seine Entdeckung, die im Frühjahr 2015 publiziert wurde, ernennt die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) den amerikanischen Forscher auf dem 133. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) zum Ehrenmitglied. Der DGCH-Kongress findet vom 26. bis 29. April 2016 in Berlin statt.

Prof. Dietmar Lorenz, Präsident der DGAV, erklärte hierzu, technisch sei eine Anastomose kein Problem, Chirurgen wüssten, worauf sie achten müssen. „Doch auch die perfekte Naht ist keine Garantie, dass zusammenwächst, was zusammengefügt wurde.“ Im ungünstigsten Fall entstehe in der Nahtreihe der Darmwand eine Insuffizienz. Dann entweiche Stuhl in den Bauchraum und löse eine massive Infektion aus, die sich zur Lebensbedrohung entwickeln kann. Bislang habe man die Ursachen für diese Anastomosen-Insuffizienz auf Seiten der Chirurgen gesucht. „Eine hohe Spannung auf der Naht, Durchblutungsstörungen, fehlerhafte Nahttechniken, ungeeignetes Nahtmaterial und andere mechanische Faktoren galten als Auslöser“, erklärte Lorenz.

Die jüngsten Forschungsergebnisse rückten nun Bakterien, die natürlicherweise im Darm vorkommen, in den Fokus. „Alverdy und seine Forschergruppe haben als erste gezeigt, warum und auf welche Weise Bakterien chirurgische Komplikationen nach Operationen am Gastrointestinaltrakt verursachen“, erläutert der DGAV-Präsident. Denn die Operation verändere die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm – und zwar zu Ungunsten der „guten Bakterien“, die die Wundheilung nicht stören. Zwar hätten Studien gezeigt, dass die Anastomoseninsuffizienz durch das Auftragen von Antibiotika im Darmtrakt erfolgreich verhindert werden kann. Doch der Forscher Alverdy verspreche sich mehr davon, das Mikrobiom so zu beeinflussen, dass pathogene Bakterien, die Anastomoseninsuffizienzen verursachen können, unterdrückt werden. „Damit können wir auch den Einsatz von Antibiotika reduzieren und das Problem der multiresistenten Krankenhauskeime besser in den Griff bekommen“, betonte DGAV-Präsident Lorenz.

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