Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Bundeskongress Chirurgie: Der freiberufliche Arzt hat einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag

Nicht nur auf EU-Ebene, sondern auch in Deutschland ist der Wert der ärztlichen Freiberuflichkeit nicht jedem Politiker bewusst. Beim politischen Samstagvormittag im Rahmen des 19. Bundeskongresses Chirurgie am 11. März 2017 in Nürnberg erklärte Dr. Dirk Heinrich vom Spitzenverband Fachärzte (SpiFa): „Viele verwechseln Freiberuflichkeit mit selbstständiger Tätigkeit. Das ist aber falsch!“ Anders als Gewerbetreibende erfüllten Freiberufler aber einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag, ob nun als Angestellte oder selbstständig tätige Ärzte. „Und diesen gesamtgesellschaftlichen Auftrag kann die Ärzteschaft nur mit einer funktionierenden Selbstverwaltung erfüllen – auch das vergessen Politiker immer wieder, zum Beispiel wenn sie die Kassenärztliche Bundesvereinigung zu einer nachgeordneten Behörde des Bundesgesundheitsministeriums degradieren.“

Den Verlust freiberuflicher Handlungsspielräume in der ärztlichen Tätigkeit bezeichnete Dr. Heinrich als Deprofessionalisierung, „und zwar im eigentlichen Wortsinn, denn der Begriff Profession kommt von ‚Versprechen’ und bezeichnet ebenfalls einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag.“ Ein angestellter Arzt im Krankenhaus – womöglich eines in privater Trägerschaft – sei nicht frei, im Sinne dieses Versprechens zu handeln. „Aber auch bei einem Arzt, der sich selbst als Unternehmer und seine Patienten als Kunden betrachtet und ausschließlich auf Gewinnmaximierung aus ist, leidet die Professionalität“, erklärte Dr. Heinrich.

Kritik übte der SpiFa-Chef auch an dem immer wieder geäußerten Vorwurf der Zwei-Klassen-Medizin, dem weite Teile der Politik durch eine einheitliche Gebührenordnung sowie eine wie auch immer geartete Bürgerversicherung begegnen wollen. „In Großbritannien mit seinem steuerfinanzierten Gesundheitssystem gibt es eine Zwei-Klassen-Medizin, aber nicht hier! In Großbritannien wartet ein Patient fünf Monate auf einen simplen Hörtest. Die Ärzte des NHS machen um 16 Uhr nach Feierabend ihre Dienstzimmer zu und öffnen ihre Privatsprechstunde. Dort kann dann derselbe Patient, der regulär keinen Termin mehr bekommen hat, privat für die benötigte Leistung zahlen – sofern er es sich leisten kann. DAS ist Zwei-Klassen-Medizin!“

Die in Deutschland eingeführten Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen, mit denen man die vermeintliche Ungerechtigkeit bei der Terminvergabe bekämpfen will, lösten nicht das eigentliche Problem: „Eine Terminservicestelle kann nur das Terminkarussell verschieben, nicht aber einen fehlenden Rheumatologen schnitzen!“ Selbst in einer Bürgerversicherung mit einheitlicher Versicherung für alle könne man auf eine Gebührenordnung wie die GOÄ verzichten. „Dann müsste die Prämisse WANZ (wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig) ja für alle gelten. Doch wie soll man Leistungen abrechnen, die über das WANZ-Prinzip hinausgehen? Jeder freie Beruf hat Anspruch auf eine eigene Gebührenordnung!“, sagte Dr. Heinrich.

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