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Bundeskongress Chirurgie: Worauf es in der Rheumachirurgie ankommt

Wer als Handchirurg Rheumapatienten behandelt, muss sich über die Unterschiede zu anderen handchirurgischen Patienten im Klaren sein. Mit diesen Worten eröffnete der Münchener Orthopäde und Handchirurg Dr. Wolfgang Bracker seinen Vortrag beim Bundeskongress Chirurgie am 11. März 2017 in Nürnberg. „Bei Rheumapatienten sind Beschwerden am Handgelenk nie nur ein lokales Problem, sondern Teil einer Grunderkrankung. Daher sollte man immer gezielt nach weiteren Beschwerden fragen“, riet Dr. Bracker. Man müsse immer genau differenzieren zwischen objektivierbaren organischen Schäden und der subjektiven Belastung des Patienten, denn das subjektive Krankheitsempfinden könne bei klinisch vergleichbaren Befunden sehr unterschiedlich sein.

Wie bei allen chronischen Erkrankungen sei es wichtig, den Patienten zum Experten seiner eigenen Erkrankung zu machen. „Dazu gehört mindestens eine Gelenkschutzberatung beim Ergotherapeuten, aber auch die Empfehlung von Selbsthilfegruppen wie der Rheumaliga“, sagte Dr. Bracker. Für den Arzt sei es entscheidend, ein Netzwerk spezialisierter Kollegen und Therapeuten zu knüpfen: „Sie können das nicht allein behandeln!“ Als großes Problem stufte Dr. Bracker die häufig sehr späte Rheumadiagnose aufgrund der anfangs oft recht unspezifischen Histologie. Hier helfe es, mit einem Pathologen zusammenzuarbeiten, der Erfahrung mit entzündlichem Rheuma hat. Außerdem empfahl Dr. Bracker, bei der Entdeckung von Frühveränderungen eher auf den Kernspin als auf die Szintigraphie zu setzen.

„Auch die Progredienz muss man genau im Auge behalten“, empfahl Dr. Bracker, „denn das Fortschreiten kann bei allen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sehr unterschiedlich schnell verlaufen. Im schlimmsten Fall kann es schnell zu spät für eine OP sein.“ Allerdings seien angesichts der neuen, hochpotenten Medikamente für Rheumatoide Arthritis die Indikationen zur Operation deutlich rückläufig. Bei der Frage, nach der OP-Fähigkeit müsse man neben der Indikationsstellung aber auch immer die systemische Medikation berücksichtigen – und sich fragen, welchen Stellenwert das handchirurgische Problem im Gesamtkontext der Erkrankung hat. „Das eigentliche Problem ist nicht immer das, was im Röntgenbild als erstes auffällt. Denn bei Rheumapatienten stellt sich alles anders dar als bei degenerativen Erkrankungen.“

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