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Bundeskongress Chirurgie: OP-Roboter in der Hernienchirurgie?

Vor nicht allzu langer Zeit dachte man beim Stichwort „OP-Roboter“ noch an Science Fiction, doch mittlerweile wurden viele und unterschiedliche Eingriffe mit dem OP-Robotersystem Da Vinci erfolgreich durchgeführt, darunter insbesondere die radikale Prostatektomie bei Prostatakarzinom, die minimal-invasive Nierenresektion oder -teilresektion sowie die Pyeloplastik bei Nierenbeckenabgangsenge. Inzwischen gibt es auch erste publizierte Erfahrungen mit dem OP-Roboter in der Hernienchirurgie, wie der niedergelassene Chirurg und Hernienexperte Dr. Bernd Stechemesser aus Köln beim Bundeskongress Chirurgie am 10. März 2017 in Nürnberg berichtete.

„Dabei fällt auf, dass man mit einer signifikant längeren OP-Dauer rechnen muss, weil die Rüstzeiten und die Zeit für das sogenannte Andocken der Instrumente berücksichtigt werden müssen“, sagte Dr. Stechemesser. Nach Einschätzung Stechemessers eignet sich die Roboterchirurgie insbesondere für Hernien, bei denen man vorzugsweise eine TEP oder TAPP einsetzen würde, er sieht aber auch großes Potenzial bei Narbenhernien, die in laparoskopischer IPOM-Technik operiert werden sollten. Als Vorteil wiederum nannte er die dreidimensionale Beweglichkeit der OP-Arme und die verbesserte Ergonomie des Arbeitsplatzes: „Es ist einfach bequemer, wenn man die Unterarme auflegen und die OP-Arme ausschließlich über die Konsole bedienen kann.“ Der Hernienexperte Prof. Köckerling aus Berlin pflichtete ihm bei: „Die technischen  Möglichkeiten sind deutlich besser als wir es von den starren laparoskopischen Instrumenten kennen. Um die Instrumente aus solchen Einstellwinkeln zu führen, müsste man sich sonst als Operateur auf den Boden legen.“

Hauptargument gegen den Einsatz von OP-Robotern sind allerdings die Kosten. „Die Kosten pro Einsatz belaufen sich bei einem Da Vinci-Roboter auf 3.000 bis 4.000 US-Dollar“, berichtete Dr. Stechemesser. Damit sich die Anschaffungskosten amortisieren, müssten mindestens 350 Robotereingriffe pro Jahr durchgeführt werden. Hierzu ergänzte Prof. Köckerling: „Allerdings stehen mittlerweile in immer mehr Kliniken Da Vinci-Roboter herum, die von den Urologen angeschafft wurden und noch nicht ausgelastet sind. Deshalb versuchen nun immer mehr Fachrichtungen, ob es auch in ihren Gebieten geeignete Indikationen für den OP-Roboter gibt.“ Worauf hin der niedergelassene Chirurg Dr. Stechemesser zu bedenken gab: „Es ist aber ein Wahnsinn, dass wir im ambulanten Bereich nur 250 Euro für eine Leistenhernienoperation erzielen, während ein OP-Roboter im Krankenhaus allein Sachkosten von mindestens 3.000 US-Dollar verursacht.“

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