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Aktive Bewegungsschienen nach Kreuzbandriss: Nutzen und Schaden laut IQWiG unklar

Ob Patientinnen und Patienten nach einer Kreuzbandruptur bei der Rehabilitation vom Training mit aktiven Kniebewegungsschienen profitieren können, war Gegenstand einer Untersuchung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Hierfür wurde nun am 11. Mai der Abschlussbericht veröffentlicht. Demnach bleiben Nutzen und Schaden unklar, da es für die Anwendung der aktiven Kniebewegungsschienen (Controlles Active Motion, CAM) in Kliniken nur wenige Studien mit kaum belastbaren Daten gibt. Für den häuslichen Bereich gibt es bislang gar keine Studien. Das gilt sowohl für den Vergleich mit passiven Schienen als auch im Vergleich zu einer Behandlung ohne Bewegungsschienen.

Bei ihrer Suche nach Studien, welche die CAM mit anderen Therapien vergleichen, identifizierte das IQWiG lediglich zwei kleine randomisierte kontrollierte klinische Studien (RCT): Eine Studie mit knapp über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verglich eine CAM-Schiene mit einer CPM-Schiene (Controlled Passive Motion). Die zweite, mit 50 Probanden noch kleinere Studie testete eine Nachbehandlung mit CAM gegen eine Nachbehandlung ohne Schiene. In beiden Studien waren die CAM in Kliniken nach einer Operation eingesetzt worden.

Verwertbare Daten gab es laut IQWiG in beiden Studien lediglich zu den Endpunkten „Bewegungsumfang“ und „Schmerzen“. Beim Bewegungsumfang habe der Vergleich zwischen CAM- und CPM-Schiene keine relevanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen gezeigt. Bei der zweiten Studie (CAM versus Reha ohne Schiene) hätten sich Unterschiede gezeigt; allerdings sei der Bewegungsumfang hier schon vor der Operation unterschiedlich gewesen. Beim Endpunkt Schmerzen seien die Unterschiede zwischen den Gruppen ebenfalls nicht relevant. Zudem bleibt unklar, worauf sich die Angaben beziehen, etwa auf den Wert bei der Entlassung oder die Veränderung gegenüber Studienbeginn. 

Maßgebliches Zielkriterium der Studien war die Tiefensensibilität, allerdings waren die Ergebnisse zu diesem Endpunkt dem IQWiG zufolge nicht verwertbar. Weitere Endpunkte, etwa die Fähigkeit zu Aktivitäten des täglichen Lebens, wurden in den beiden Studien nicht erhoben. Welchen Nutzen oder Schaden aktive Bewegungsschienen in der Nachbehandlung bei einem Riss des vorderen Kreuzbands haben, bleibt nach Einschätzung des Instituts somit unklar. Das gelte insbesondere für den Einsatz zu Hause.

„Der Riss des vorderen Kreuzbands ist eine der häufigsten Sportverletzungen und seine Behandlung von großer Bedeutung – für die Betroffenen ebenso wie für ihr privates und berufliches Umfeld“, stellte Stefan Sauerland, Leiter des Ressorts Nichtmedikamentöse Verfahren, fest. Es sei zu begrüßen, dass Medizinprodukte entwickelt werden, die den Rehabilitationsprozess unterstützen sollen. „Dann sollte ihr Nutzen aber auch mit guten, verwertbaren Daten belegt werden. Für die CAM-Schienen fehlen sie. Und bei nichtmedikamentösen Verfahren, insbesondere Medizinprodukten, ist das auch leider keine Seltenheit.“

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