Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

AKDÄ gibt Empfehlungen für mehr Sicherheit bei Propofolinfusionen

 

Propofol ist ein Narkotikum, dessen wichtigste Eigenschaft die gute Steuerbarkeit mit schnellem Wirkungseintritt und kurzer Wirkdauer ist. Es gehört zu den am häufigsten eingesetzten Substanzen in der Anästhesie; außerdem wird es regelhaft bei Sedierungen für diagnostische Maßnahmen und auch zur Sedierung im intensivmedizinischen Bereich angewandt. Allerdings treten gelegentlich schwere Arzneimittelnebenwirkungen in Form des sogenannten Propofolinfusionssyndroms (PRIS) auf, auf welche die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AKDÄ) bereits 2004 hingewiesen hat. Weil seitdem weitere Fälle von PRIS berichtet und publiziert wurden, hat die AKDÄ ein Update zum PRIS und dem Einsatz von Propofol veröffentlicht.

Folgende Vorsichtsmaßnahmen sollten demnach ergriffen werden, um das Risiko eines PRIS zu senken:

Kinder: Propofol ist zur Allgemeinanästhesie bei Kindern ab einem Monat zur Narkoseeinleitung und Narkoseaufrechterhaltung zugelassen. Kinder benötigen eine höhere Initialdosierung als Erwachsene, nach ca. einer Stunde ist aber eine deutliche Dosisreduktion erforderlich. Insbesondere nach längerer Nüchternheit sollte bei Kindern eine parallel laufende glukosehaltige Infusionslösung appliziert werden. 

Sedierung in der Intensivmedizin: Propofol ist erst ab einem Alter > 16 Jahren zugelassen, mit einer Begrenzung der maximalen Dosierung auf 4 mg/kg/h und einer Anwendungsdauer von maximal sieben Tagen. Dabei ist darauf zu achten, dass durch zusätzliche Bolusgaben die Maximaldosierung nicht überschritten wird. Da die meisten PRIS-Fälle bei einer Anwendung > 48 Stunden auftraten, sollte nach 48 Stunden eine kritische Reevaluierung hinsichtlich der Indikation zur Propofol-Sedierung erfolgen und auf jeden Fall eine Dosisreduktion in Erwägung gezogen werden. Alternativen zur Propofol-Sedierungsbehandlung (Alpha-2-Rezeptor-Agonisten, z. B. Dexmedetomidin oder Clonidin, oder Benzodiazepine, z. B. Midazolam) sind zu bedenken.

Monitoring: Bei lang dauernden Narkosen sollten regelmäßig Blutgasanalysen und Bestimmungen des Laktatwertes erfolgen, obwohl ein PRIS während einer Narkose bisher nur in wenigen Einzelfällen dokumentiert worden ist. Bei Anwendung im intensivmedizinischen Bereich sollen täglich mehrfach Laktatbestimmung und mindestens einmal täglich eine Bestimmung der Kreatinkinase (CK) durchgeführt werden. Laktaterhöhungen, die anders nicht zu erklären sind (z. B. durch Hypovolämie, Low Cardiac Output, Sepsis etc.) sowie eine unerklärliche kardiale Dysfunktion und EKG-Veränderungen (z. B. Bradyarrhythmien, gewölbte ST-Streckenerhöhungen u. a.) können ein Hinweis auf ein PRIS sein und sollten zur Beendigung der Propofol-Zufuhr führen.

Patienten mit Mitochondriopathie (oder mit ungeklärten Fettstoffwechselstörungen): Hier sollten Alternativen zur Sedierung mit Propofol erwogen werden.

Die vollständigen Empfehlungen einschließlich genauer Beschreibung der Symptome von PRIS und der gemeldeten Fälle sowie eine Literaturliste finden sich hier

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