Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Streit um Hybrid-DRG für ambulante und stationäre Operationen in Thüringen

Die Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung ist noch immer ein zentrales Problem im deutschen Gesundheitswesen. So beschreibt die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) den bisherigen Zustand. Insbesondere bei medizinischen Leistungen im Grenzbereich zwischen Arztpraxen und Krankenhäusern führten unterschiedliche Rechtsgrundlagen und Abrechnungsbedingungen dazu, dass zum Beispiel bei Operationen nicht allein der medizinische Bedarf des Patienten die Versorgungsebene bestimmt, sondern auch die Vergütungshöhe.

Um die daraus resultierenden Fehlanreize zu beseitigen, startet die TK in Thüringen aktuell ein völlig neues Vergütungsmodell nach dem Grundsatz "gleiches Geld für gleiche Leistung". Grundlagen für die neuen „Hybrid-DRG“ sind die Fallpauschalen im Krankenhaus (DRG) und der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM). Hieraus habe man einen Mischpreis für operative Eingriffe kalkuliert. Gleichzeitig erfolge eine „völlige Gleichstellung bei Begleitleistungen, Nachbehandlung und Qualitätssicherung“. Die Operateure könnten dann völlig unabhängig entscheiden, ob beispielsweise eine kurzstationäre Aufnahme nötig ist oder wie die Weiterbehandlung erfolgt. Getestet wird dieses neue Modell den Angaben zufolge zunächst bei Kreuzbandverletzungen, Hernien, Varizen und dem Karpaltunnelsyndrom. 

Vertragspartner der Techniker Krankenkasse ist die „NAO GmbH – Kliniknetz für Integrative Medizin“. Man habe das Modell mit Unterstützung des Berufsverbandes der deutschen Chirurgen (BDC) und vieler Praktiker vor Ort erarbeitet, als weitere Krankenkasse sei die KKH Kaufmännische Krankenkasse mit an Bord. Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung im Freistaat, erwartet neben den Vorteilen im medizinischen Bereich eine deutliche Entbürokratisierung: „So entfällt für teilnehmende Krankenhäuser die heute leider oft notwendige Abrechnungsprüfung durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK).“ NAO-Geschäftsführerin Suzanne Marx betont einen zentralen Vorteil für die niedergelassenen Ärzte: „Sollte aus medizinischen Gesichtspunkten ein kurzstationärer Eingriff notwendig sein, steht diese Option nunmehr uneingeschränkt zur Verfügung.“

Die Einführung der Hybrid-DRG ist für die nächste Legislaturperiode des Deutschen Bundestages eine zentrale gesundheitspolitische Forderung der Techniker Krankenkasse zur Stärkung der sektorenübergreifenden Versorgung. Die Umsetzung in Thüringen soll erste praktische Erfahrungen hierfür liefern. Wie die TK mitteilt, erfolgt der Start zunächst mit Krankenhäusern in Erfurt (Katholisches Krankenhaus), Jena (Universitätsklinikum), Saalfeld/Pößneck (Thüringenkliniken), Sömmerda/Bad Frankenhausen/Sondershausen (DRK-Kliniken) und Weimar (Sophien- und Hufeland-Klinikum) sowie den niedergelassenen Operateuren in diesen Regionen.

Bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) stößt das neue Thüringer Modell auf wenig Gegenliebe. DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum erklärte in einer Pressemitteilung: „Die Techniker Krankenkasse verkennt, dass es hier nicht um gleiches Geld für gleiche Leistung geht. Was sie will, ist gleiches Geld für unterschiedliche Leistungen. Bei Leistungen, die sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden können, sind sehr oft die Begleiterkrankungen Grund für die stationäre Aufnahme.“ Damit habe der Patient aber auch einen anderen Pflege- und Versorgungsbedarf. Krankenhäuser hätten andere Vorhaltekosten als eine Arztpraxis, die in die DRG-Fallpauschalen einfließen. „Dies muss sich zwangsläufig auch in der Vergütung von stationären Leistungen widerspiegeln, damit schwierigere Fälle weiterhin stationär versorgt werden können“, betonte Baum.

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