Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Manuelle Therapie bei Karpaltunnelsyndrom ebenso gut wie chirurgische Intervention?

Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) gilt als das häufigste Nervenkompressionssyndrom, an dem schätzungshalber zehn Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens einmal erkranken. Um die ausstrahlenden Schmerzen und die Überempfindlichkeit gegenüber Temperaturreizen zu behandeln, werden regelmäßig neben der chirurgischen Intervention (offene oder minimal invasive Druckentlastung) auch manuelle Therapien zur Bindegewebsmobilisierung als konservative Therapieform eingesetzt.

In einer randomisierten, einfach verblindeten Studie in einem städtischen Krankenhaus in Madrid, die nun im European Journal of Pain veröffentlicht wurde, verglichen Forscher zwischen 2014 und 2015 die Effekte einer chirurgischen Behandlung mit einmal wöchentlicher 30-minütiger manueller Therapie inklusive desensibilisierender Maßnahmen durch ausgebildete Manualtherapeuten. Alle 100 Teilnehmerinnen hatten mindestens über einen Zeitraum von sechs Monaten Schmerzen und Parästhesien im Versorgungsgebiet des N. medianus angegeben und wurden in zwei Gruppen randomisiert. Als OP-Methode in der Gruppe der chirurgisch versorgten Teilnehmerinnen kam die endoskopische Dekompression des N. medianus gemäß internationaler handchirurgischer Leitlinien zum Einsatz, wobei die Chirurgen alle mindestens zehn Jahre Erfahrung als Handchirurg vorweisen konnten. Jeweils drei, sechs, neun und zwölf Monate nach der Therapie wurden Druckschmerzschwelle (PPT), Temperaturschmerzschwelle (Hitze- und Kälteschmerzschwelle) und Schmerzstärken auf einer Skala von 0–10 ermittelt.

In der Gruppe der manuell therapierten Patientinnen hatten die Schmerzen nach 3 Monaten stärker nachgelassen als in der Gruppe der operierten Patientinnen (p < 0,001). Ein Jahr nach den jeweiligen Therapien gab es keine signifikanten Unterschiede in den PPT-Werten zwischen den Gruppen. Allerdings konnten weder die manuelle, noch die chirurgische Therapie die erhöhte Temperatursensibilität messbar vermindern. Die Autoren gehen davon aus, dass ihre Studie möglicherweise großen Einfluss auf die gängige klinische Praxis haben könnte. Denn bislang war man aufgrund der Studienlage davon ausgegangen, dass eine Operation zumindest langfristig zu besseren Therapieergebnissen führt als konservative Behandlungen. Allerdings hatte man in früheren Studien die chirurgische Intervention vor allem mit Schienen, Laser- oder Ultraschalltherapie oder mit Injektionen von schmerz- und entzündungshemmenden Substanzen verglichen. Daher könnte die Einbeziehung von Daten wie aus der aktuellen Studie Einfluss auf die Ergebnisse künftiger Metaanalysen zum Stellenwert konservativer Therapieansätze bei KTS haben.

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