Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Niedergelassener Chirurg klagt im Ärzteblatt: „Die Politik versucht, den freien Arztberuf zu vernichten“

Wer gestern (18. September 2017) das Deutsche Ärzteblatt studiert hat, dem dürfte ein ausführliches Interview mit dem niedergelassenen Chirurgen Dr. Christian Baum aus Berlin aufgefallen sein, in dem er seine Gedanken zur ärztlichen Freiberuflichkeit, zu aktuellen Probleme im deutschen Gesundheitssystem und dem wachsenden Ärztemangel erläutert.

Baum beantwortete darin fünf zentrale Fragen, unter anderem zur Stimmung unter den Kollegen in seiner Praxis. „Meine Arbeit macht mir Spaß, sie erfüllt mich. Deshalb mache ich sie gerne. Zudem läuft unsere Praxis gut“, antwortete Baum. Dennoch sei die Stimmung schlecht im Hinblick auf die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit. „Denn seit den 1990er-Jahren versucht die Politik, den Gesundheitsmarkt systematisch zu industrialisieren und in diesem Zusammenhang den freien Arztberuf zu vernichten.“ Baum kritisierte die Tendenz, dass Krankenhausträger und private Konzernen über den Betrieb Medizinischer Versorgungszentren zunehmend Einfluss auf die ambulante Versorgung gewinnen. Darunter leide das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis.

Als größtes Ärgernis im deutschen Gesundheitswesen bezeichnete Baum die Budgetierung. „Den Ärzten wird ein Topf mit Geld hingestellt, das die Berufspolitiker dann verteilen sollen. Wenn sie es ungerecht verteilen, kann die Politik sagen: Ihr seid ja selber schuld“, kritisierte der Chirurg. Die Budgetierung habe eine Negativentwicklung in Gang gesetzt, die an unserem hohen Versorgungsstandard rüttele. Gleichzeitig monierte Baum die Intransparenz der Kosten im hiesigen System: „Die Patienten wissen überhaupt nicht, was ihre Behandlung kostet und welcher Aufwand betrieben wird, um sie zu versorgen.“ Als weiteres Ärgernis nannte der Chirurg die überbordende Bürokratie in den Praxen: „Wir verbringen unglaublich viel Zeit damit, unsere Arbeit zu dokumentieren.“ Bei dem Qualitätssicherungsverfahren zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen etwa würden die niedergelassenen OP-Zentren mit den Krankenhäusern gleichgestellt. „Wir haben viel weniger Infektionen in unseren OP-Zentren, müssen aber dieselben Dokumentationspflichten wie die Krankenhäuser erfüllen“, erklärte Baum in dem Interview weiter. Hierfür bekämen Niedergelassene aber keine Honorarzuschläge – mit der Folge, dass noch weniger Zeit für die Patientenversorgung bleibt.

Mit Blick auf die Honorarsituation stellte Baum fest, der finanzielle Reingewinn seiner Arbeit habe sich in den vergangenen Jahren verringert. Daher sei es schwer geworden, in die Praxis zu investieren. Er glaube allerdings nicht, dass sich die Situation nach der Bundestagswahl verbessern werde: „Denn ich glaube nicht, dass den Parteien, vielleicht mit Ausnahme von einer Partei, daran gelegen ist, dass freiheitliche Gesundheitswesen mit niedergelassenen Ärzten aufrechtzuerhalten.“ Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl plädierte Baum für eine Abschaffung der Budgetierung, direkte Honorarverhandlungen zwischen Berufsverbänden und den Krankenkassen und ein System von Basisversicherung mit freiwilligen Zusatzversicherungen. Dazu gehöre auch eine Priorisierung von Leistungen: „Ich will keine englischen Verhältnisse. Aber wir sollten uns schon fragen, ob alle Leistungen unseres kassenärztlichen Leistungskatalogs in jedem Fall sinnvoll und bezahlbar sind.“

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