Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Kritik am mageren Honorarergebnis: Orientierungswert steigt nur um 1,18 Prozent

Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband hatte am 19. September 2017 der Erweiterte Bewertungsausschuss (EBA) das letzte Wort. Das Gremium, in dem jeweils drei Vertreter der KBV und des GKV-Spitzenverbandes sowie drei unparteiische Mitglieder vertreten sind, hat über die Weiterentwicklung der Vergütung niedergelassener Ärzte im Jahr 2018 entschieden.

Demnach steigt der Orientierungswert steigt im kommenden Jahr um insgesamt 410 Millionen Euro, was einem Plus von 1,18 Prozent gegenüber 2017 entspricht. Die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung steigt aufgrund der Morbiditätsveränderung um 100 Millionen Euro. Für extrabudgetäre Leistungen, wie beispielsweise Vorsorgeuntersuchungen, wird mit einem Plus in Höhe von 400 Millionen Euro gerechnet. Für die Stärkung des nichtärztlichen Praxispersonals erhalten die niedergelassenen Ärzte weitere 50 Millionen Euro. 

Der GKV-Spitzenverband zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. So erklärte sein stellvertretender Vorstandsvorsitzender Johann-Magnus v. Stackelberg: „Das ist eine maßvolle Entscheidung, die sowohl den Honorarinteressen der niedergelassenen Ärzte als auch denen der Beitragszahler gerecht wird“.  Die niedergelassenen Ärzte sehen das allerdings ganz anders. So erklärte KBV-Sprecher Dr. Roland Stahl unmittelbar nach der Entscheidung gegenüber dem Ärztenachrichtendienst, die KBV habe sich mehr erhofft: „Da haben wir mehr für nötig erachtet – unsere Forderungen gingen weit darüber hinaus.“ Er ergänzte aber: „Es darf nicht vergessen werden, dass dies nur der auf Bundesebene festgelegte Rahmen ist – die Basis für die Verhandlungen in den Ländern.“ Es werde sich nun zeigen, inwieweit die Kassenärztlichen Vereinigungen in den Ländern bei ihren individuellen Verhandlungen über diese Werte hinaus gehen könnten. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen ergänzte, der GKV-Spitzenverband habe während der Verhandlungen eine Nullrunde vorgeschlagen und mit vermeintlichen Wirtschaftlichkeitsreserven argumentiert. Gassen kritisierte, dass bei einer „insgesamt hervorragenden Kassenlage der gesetzlichen Krankenversicherungen – einer deutlichen Steigerung im Bereich der Löhne und Gehälter – die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten bei derartigen Entwicklungen des Orientierungswertes sukzessive abgehängt werden, sodass wir hier perspektivisch eine Versorgungsgefährdung sehen.“ Die KBV hat auf ihrem Youtube-Kanal ein Video zum Honorarergebnis veröffentlicht, in dem Gassen die Situation bewertet.  veröffentlicht.

Ähnlich kritisch wie die KBV beurteilte der Bundesvorsitzende des NAV-Virchowbundes, Dr. Dirk Heinrich, das Honorarergebnis: „Der Investitionsstau und der Personalabbau, den das Statistische Bundesamt kürzlich bei niedergelassenen Ärzten festgestellt hat, wird also weitergehen. Keine guten Vorzeichen für die ambulante Versorgung.“ Aus seiner Sicht muss eine neue Bundesregierung dringend den gesetzlichen Ablauf der Honorarverhandlungen prüfen. Für den Vorsitzenden des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, erzwingt die „fortgesetzte restriktive Blockadehaltung des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen bei den Honorarverhandlungen“ sogar eine grundsätzliche Systemdebatte. Solange die Krankenkassen am wirtschaftlichen Risiko durch Demographie, Morbiditätsentwicklung, medizinischen Fortschritt und auch von ihnen im Wettbewerb selbst induzierten Leistungsanspruch der Versicherten nicht unmittelbar wirklich angemessen beteiligt seien, werde es ihrerseits zu keiner wirklichen Verantwortungsübernahme im Rahmen einer sinnvoll organisierten Patientenversorgung kommen. Reinhard erklärte: „Wir müssen deshalb – nicht nur mit Blick auf die Notfallversorgung – unseren Druck auf die Politik erhöhen, intelligente Maßnahmen zur Steuerung der Inanspruchnahme von Leistungen im Gesundheitswesen gesetzgeberisch zu implementieren.“

 Die KV Baden-Württemberg wiederum rechnete die Erhöhung des Orienterungswertes um 1,18 Prozent auf den Patientenfall herunter und urteilte unter der provokanten Überschrift „Drei Flaschen aus Berlin“: „„Im Ergebnis sind das 70 Cent pro Fall im Quartal mehr. Drei Pfandflaschen vom Discounter, also 70 Cent mehr für die Versorgung im Quartal für einen Patienten – das ist die Botschaft der Bundesebene der Krankenkassen an die Menschen und niedergelassenen Ärzte, wie viel sie ihnen wert sind“, ärgerten sich Vorstandschef Dr. Norbert Metke und sein Stellvertreter Dr. Johannes Fechner.

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