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DKOU: OP-Zahlen in Deutschland wurden von der OECD falsch berechnet!

Laut OECD-Studie aus dem Jahr 2013 ist Deutschland mit 15 Millionen Wirbelsäulenoperationen pro Jahr Spitzenreiter auf diesem Gebiet. Seitdem stehen orthopädische Eingriffe immer wieder in der Kritik. „Die Autoren haben aber nicht die tatsächlichen Operationen gezählt, sondern die Anzahl der Prozeduren-Schlüssel (OPS-Codes), die im deutschen Gesundheitssystem die Grundlage für die Leistungsabrechnung bilden,“ kritisierte Prof. Christian Knop, Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG), im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), der Ende Oktober 2017 in Berlin stattfindet. Mit diesen Codes würden aber auch die Einzelschritte einer Operation abgebildet. „Das ist, als würde man im Fußball nicht die geschossenen Tore zählen, sondern die Anzahl der Ballkontakte, die zum Tor geführt haben.“ Zudem berücksichtige die Publikation nicht den Altersdurchschnitt in den jeweiligen Ländern: In Deutschland lebten vergleichsweise mehr ältere Menschen. Dies führe zwangsläufig zu mehr Operationen, da viele orthopädische Erkrankungen verschleißbedingt seien. Berücksichtige man das nationale Durchschnittsalter, liege Deutschland mit der Anzahl der Operationen nur im Mittelfeld.

Auch bei den Kunstgelenken sei die Zahl der Eingriffe in den letzten zwölf Jahren etwa konstant geblieben. Hierzu erklärte Prof. Andrea Meurer, Kongresspräsidentin des DKOU 2017: „Wenn Medikamente, Bewegung und Physiotherapie nicht mehr helfen, ist eine Endoprothese für Senioren oft die letzte Möglichkeit, ihren Lebensabend schmerzfrei und beweglich zu genießen.“ In den Vereinigten Staaten werde zwar weniger operiert, dafür würden aber mehr Schmerzmittel verschrieben. Dadurch seien viele Patienten von Opiaten abhängig. „In den USA sterben mehr Menschen an einer unbeabsichtigten Überdosierung von Schmerzmitteln als an Überdosierungen von Kokain und Heroin zusammengenommen“, sagte Meurer. Und Prof. Knop warnte: „Aufgrund der Kritik an den Operationszahlen entscheiden sich mittlerweile auch hierzulande manche Patienten gegen eine Operation, sogar dann, wenn diese aus medizinischer Sicht notwendig wäre.“

Bei Traumata, Tumoren, Infektionen oder krankhaften Verformungen der Wirbelsäule sei eine Operation häufig notwendig und könne lebensverlängernd sein. Wenn deutliche Lähmungen und Taubheitsgefühl aufträten oder Blase und Darm den Dienst versagten, sollte nach Einschätzung der Fachgesellschaft das Skalpell zum Einsatz kommen. Starke Schmerzen, die den Betroffenen im Alltag einschränken, könnten ebenfalls Anlass für eine Operation sein – vorausgesetzt, dass die nicht-chirurgischen Maßnahmen ausgeschöpft sind und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten den Eingriff zulässt. 

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