Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Fach- und Berufsverbände kritisieren Umgang mit einer Schulterstudie aus dem „Lancet“

Sieben Fach- und Berufsverbände aus Orthopädie und Unfallchirurgie und der Chirurgie haben unter Führung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) Stellung zu einer jüngst im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie bezogen. Die Autoren der Studie „Arthroscopic subacromial decompression for subacromial shoulder pain (CSAW)“ zur Wirksamkeit der Schulterdacherweiterung – der sogenannten arthroskopischen subakromialen Dekompression (ASD) waren zu dem Ergebnis gekommen, dass Patienten mit einem subakromialen Schmerzsyndrom zu häufig ohne Nutzen operiert würden. Allerdings lässt sich das Ergebnis nach Auffassung der unterzeichnenden Verbände und Fachgesellschaften nicht auf Deutschland übertragen. Denn anders als in der CSAW-Studie abgebildet, werde die ASD-Methode in Deutschland nicht zur Linderung von unspezifischen Schulterschmerzen, sondern nur beim subakromialen Impingementsyndrom eingesetzt.

Für das deutsche Gesundheitssystem ergeben sich aus Sicht von Orthopäden und Unfallchirurgen daher keine Konsequenzen aus der Studie, auch wenn Medienberichte wie etwa im Nachrichten Magazin „Spiegel“ etwas anderes suggerieren. DGOU-Generalsekretär Prof. Dr. Reinhard Hoffmann sagte: „Wir kritisieren, dass eine in Deutschland bewährte Versorgungspraxis angegriffen wird, ohne zuvor hiesige Experten zu Rate zu ziehen. Wenig sachkundige Urteile sind schlechter Stil und schaden dem Gesundheitswesen und vor allem den Patienten.“ Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in dem besagten „Spiegel“-Artikel infolge der Veröffentlichung im Lancet kritisch über das Verfahren geäußert.

Die Verbände und Fachgesellschaften kritisierten außerdem, dass in die Studie auch Patienten eingeschlossen wurden, deren Schmerzen nicht von einem mechanischen Engpasssyndrom bzw. von einer Funktionsstörung wie einer Schulterblattfehlhaltung herrühren können. Bei diesen Schmerzursachen werde nach deutschem medizinischen Standard keine subakromiale Dekompression durchgeführt. Privatdozent Dr. Ralf Müller-Rath, Vorsitzender des Berufsverbandes für Arthroskopie e. V. (BVASK), ergänzte: „Eine alleinige Dekompression führt bei diesen Diagnosen in der Regel zu keinen guten Ergebnissen. Diese Fälle hätten bei der Studie ausgeschlossen werden müssen.“


Da also ein Therapieverfahren ausgewertet wurde, das in Deutschland bei unspezifischen subakromialen Schulterschmerzen nicht üblich ist, könnten daraus keine Schlüsse zur Wirksamkeit einer arthroskopischen Dekompression gezogen werden. Vielmehr sei für den Erfolg entscheidend, dass die zur Diagnose passende Therapieoption zum Einsatz kommt.

Die vollständige Stellungnahme ist hier https://dgou.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht-pressemitteilungen/artikel/schulterstudie-liefert-keine-neuen-erkenntnisse-deutsche-standards-erweisen-sich-als-bewaehrt/ nachzulesen und wird getragen von:
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (DGOU)
Deutsche Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie e. V. (DVSE)
Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU)
Berufsverband der Deutschen Chirurgen e. V. (BDC)
Berufsverband für Arthroskopie e. V. (BVASK)
Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin (GOTS)
Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA) 

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