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Vertragsärztliche Versorgung am Quartalsende: Streit um eine Studie aus Hamburg

Eine englischsprachige Studie des Fachbereichs Gesundheitsökonomie an der Universität Hamburg mit dem Titel „Ambulatory Care at the End of a Billing Period“  sorgt in diesen Tagen für heftige Diskussionen. Die Kernaussage der Studie ist zwar nicht sonderlich überraschend: Zum Quartalsende werden weniger haus- und fachärztliche Leistungen abgerechnet als zum Quartalsbeginn. Doch die Schlussfolgerungen, die verschiedene Akteure im Gesundheitswesen daraus ziehen, unterscheiden sich gewaltig.

Herausgegeben wurde die Arbeit vom Hamburg Center for Health Economics (HCHE), einen gemeinsamen Forschungszentrum der Universität Hamburg und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Für ihre Studie nutzten die Autoren die Daten der zehn rund Millionen Techniker Krankenkasse sowie ambulante Abrechnungsdaten aus den Jahren 2013 und 2014. Demnach müssen gesetzlich Versicherte zum Quartalsende länger auf einen Termin warten, weil Ärzte dann seltener die Leistungen erbringen, die über Pauschalen und Globalbudgets vergütet werden. Vertragsärzte konzentrierten sich dann häufig auf die Leistungen ohne Mengenbegrenzung, etwa Impfungen, Vorsorge und ambulante Operationen. Parallel dazu könne man einen Anstieg bei den Abrechnungen für den ärztlichen Bereitschaftsdienst beobachten.

Mit den Ergebnissen konfrontiert, erklärte der GKV-Spitzenverband gegenüber dem Ärztenachrichtendienst ÄND, es sei „ein großes Ärgernis, dass das Märchen von den nichtbezahlten Leistungen am Ende eines Quartales immer wieder erzählt wird.“ Richtig sei lediglich, dass erbrachte Leistungen ab der Überschreitung einer bestimmten Menge mit einem abgestaffelten Preis vergütet würden, weil zu diesem Zeitpunkt die kalkulatorischen Fixkosten einer Arztpraxis bereits vergütet seien: „In einem System, in dem Jahr für Jahr die Honorare der Ärzte um gewaltige Gesamtsummen steigen, ist mein Verständnis für das routinierte Wehklagen einiger Funktionäre begrenzt.“

Zu anderen Schlüssen kommt die Ärzteseite. So bezeichnete der Berufsverband der HNO-Ärzte die Studie als nicht repräsentativ und lückenhaft. Er betonte außerdem dass der leichte Rückgang am Quartalsende bei den HNO-Ärzten nur zehn Prozent betrage, obwohl der Anteil der Leistungen, die von den Krankenkassen nicht vergütet werden, bei 20 bis 25 Prozent liege. Zudem berücksichtige die HCHE-Studie nicht, dass viele Patienten vom Hausarzt überwiesen werden. Wenn der Hausarzt gegen Ende des Quartals aus Budgetgründen weniger Patienten annehme, werde dieser Effekt auch an die Fachärzte weitergegeben.

Der Vorsitzende der Vertreterversammlung der KV Hamburg, Dr. Dirk Heinrich, wiederum erklärte: „Die Abrechnungsdaten lassen keine Schlussfolgerungen zu, die auf einen Terminmangel am Quartalsende hinweisen würden.“ Es liege vielmehr in der Natur unseres budgetierten Systems, dass eine Praxis gegen Ende eines Quartals immer viele Patienten versorgt, für die die Pauschale bereits beim ersten Kontakt Wochen zuvor abgerechnet wurde. „Wir dürften die Pauschale gar kein weiteres Mal ansetzen – hieraus einen Terminmangel zu konstruieren, ist schlichtweg unseriös.“

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