Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Bundeskongress Chirurgie: Tipps zum Umgang mit Bewertungsportalen

Ärztinnen und Ärzte müssen es grundsätzlich hinnehmen, dass ihre öffentlich zugänglichen Daten – sprich: Name und Anschrift der Praxis, Fachrichtung und Sprechzeiten – von Online-Bewertungsportalen genutzt werden, auf denen Patientinnen und Patienten Bewertungen in Form von Schulnoten oder Kommentaren abgeben. Daran ändert auch das jüngst ergangene Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) nichts, das letztinstanzlich über die Forderung einer Ärztin zu entscheiden hatte, die Jameda vergeblich dazu aufgefordert hatte, ihr Profil vollständig zu löschen.

Der BGH gab der Klage der Ärztin auf Löschung der Daten und des Profils auf Jameda zwar statt. Er begründete seine Entscheidung damit, dass durch die Werbemaßnahmen und die Besserstellung der zahlenden Mitglieder, deren Anzeigen unmittelbar neben dem Profil der klagenden Ärztin ohne Premium-Profil platziert worden waren, Jameda seine Rolle als neutraler Informationsvermittler verlassen habe. Aufgrund dieser Werbemaßnahmen überwiege das Recht der Ärztin auf informationelle Selbstbestimmung gegenüber dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit und Jameda verliere sein schutzwürdiges Interesse an der Nutzung der Daten der Ärztin.

Allerdings war man bei Jameda offenbar auf das BGH-Urteil vorbereitet und veränderte in Windeseile den Darstellungs-Algorithmus, sodass nunmehr keine Einblendungen kostenpflichtiger Premium-Profile im Umfeld nicht-zahlender Ärzte-Profile zu sehen sind. Der Datensatz der klagenden Ärztin wurde zwar gelöscht, doch Jameda betonte ausdrücklich, dies sei nicht wegen des ergangenen Urteils geschehen, sondern weil die Ärztin ihre Praxis mittlerweile aufgegeben hat. Die Urteilsbegründung des BGH liegt noch nicht vor, doch es ist derzeit davon auszugehen, dass Ärztinnen und Ärzte in Zukunft kaum Möglichkeiten haben werden, eine vollständige Löschung ihrer Daten aus Bewertungsportalen durchzusetzen.

Dr. Bernhard Möller, niedergelassener Chirurg im hessischen Karben und Mitglied im Aufsichtsrat der Genossenschaft Niedergelassener Operateure Hessen (GNOH), gab seinen Kolleginnen und Kollegen daher den Rat, sich bestmöglich mit Portalen wie Jameda & Co. zu arrangieren und dabei ein Auge auf negative Bewertungen zu haben: „Wenn wir ein Hotel buchen wollen, schauen die meisten von uns auch zuerst auf die negativen Beurteilungen. Die prägen sich stärker ein als positive Bewertungen und beeinflussen damit unsere Auswahl.“ Leider setzten negative Bewertungen, auf die niemand reagiert, häufig einen Schneeballeffekt in Gang und es folgten weitere negative Urteile.

Dabei müsse man als betroffener Arzt durchaus nicht jede Negativbewertung hinnehmen, betonte der Rechtsanwalt Andreas Rossa aus Bad Homburg, der als Justiziar der GNOH Genossenschaftsmitglieder juristisch berät. „Man muss unterscheiden zwischen einer Tatsachenbehauptung und einer Meinungsäußerung“, erklärte Rossa. Schulnoten würden generell als Meinungsäußerungen gewertet, ebenso Kommentare wie „Ich fühlte mich nicht ernstgenommen“. Schreibe ein Patient hingegen Dinge wie „Dieser Arzt ist nicht qualifiziert“, so handele es sich um eine Behauptung unzutreffender Tatsachen und könne vom betroffenen Arzt angefochten werden. Die Erfolgsaussichten hierfür seien – wenn der Widerspruch richtig und mit anwaltlicher Hilfe angegangen wird – gut. 

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