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Bundeskongress Chirurgie: Ex-KBV-Chef Dr. Andreas Köhler diskutiert wieder mit

Es steht nicht gut um die ärztliche Freiberuflichkeit, wenn man Dr. Andreas Köhler glauben mag. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) saß nach längerer Pause wieder einmal mit auf dem Podium und diskutierte beim politischen Vormittag im Rahmen des Bundeskongresses Chirurgie am 24. Februar 2018 in Nürnberg mit über aktuelle politische Herausforderungen für niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte. Bei einem freien Beruf wiege der persönliche Arbeitseinsatz per definitionem höher als der Kapitaleinsatz, erklärte Dr. Köhler, doch genau dieser Grundsatz werde durch die vielen neuen Organisationsformen – Stichwort: MVZ unter der Leitung börsennotierter und renditegetriebener Investoren ­– zunehmend verwässert.

Hinzu komme, dass es im europäischen Ausland nirgends ein mit dem deutschen System vergleichbares Verständnis der Freiberuflichkeit gebe. Mithin berge die fortschreitende Harmonisierung von EU-Recht die Gefahr, dass die Sonderstellung der freien Berufe in Zukunft abgeschafft. Zumal die Privilegien von Freiberuflern auch bei den hiesigen Behörden immer wieder Begehrlichkeiten wecken: „Hinter verschlossenen Türen wird längst über eine Gewerbesteuerpflicht auch für die freien Berufe diskutiert“, warnte Dr. Köhler, „und die Deutsche Rentenversicherung hat seit langem ein Auge auf die berufsständigen Versorgungswerke geworfen.“

Die ärztliche Selbstverwaltung wiederum halte hartnäckig an der Fiktion des wirtschaftlich selbstständigen Arztes in seiner klassischen Einzelpraxis fest, obwohl die Realität sich längst gewandelt hat. „Das ist aber auch kein Wunder, denn in der KBV-Vertreterversammlung liegt das Durchschnittsalter über 60 Jahren. Diese Leute kennen die gute alte Zeit aus eigenem Erleben und tun sich schwer damit, sich aus ihren Denkmustern zu lösen“, sagte Dr. Köhler. Dabei sei offensichtlich, dass sich die jüngere Ärztegeneration nicht in das Schema der Alten pressen lassen will und sich im Gegenteil angesichts der verkrusteten Strukturen von der Selbstverwaltung abwende.

Dr. Köhler appellierte an die ärztliche Selbstverwaltung, über den Tellerrand zu schauen und sich beispielsweise für Arbeitsverträge mit angestellten Ärztinnen und Ärzten zu engagieren, in denen im Sinne des Patientenschutzes die ärztliche Unabhängigkeit explizit geschützt wird. „Unsere ärztliche Selbstverwaltung hat nach meiner Einschätzung jetzt noch fünf bis maximal zehn Jahre Zeit, ihre Strukturen so zu adaptieren, dass die ärztliche Freiberuflichkeit sich erhalten lässt – aber dafür müssen wir jetzt aktiv werden!“, schloss Dr. Köhler.

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