Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Fachliche Eignung: ja – politischer Hoffnungsträger: eher nicht

Der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Amtsübergabe mit seinem Vorgänger und Parteikollegen Hermann Gröhe (links im Bild)

Im Gesundheitsministerium steht nun also Jens Spahn am Ruder. Ist der CDU-Politiker der richtige Mann für den Job? Hat er das Fachwissen und die richtigen Pläne? Der Ärztenachrichtendienst (änd) aus Hamburg hat in der ersten Märzwoche deshalb nach der Meinung der niedergelassenen Ärzte gefragt. Das Resultat der am 19. März 2018 veröffentlichten (nicht repräsentativen) Umfrage unter insgesamt 1.121 überprüften niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten aus dem gesamten Bundesgebiet zeigt: In der Ärzteschaft bescheinigen viele dem ehemaligen gesundheitspolitischen Sprecher der Unionsfraktion das nötige Vorwissen – bleiben aber trotzdem skeptisch. 

Immerhin 43 Prozent der über 1.100 Umfrageteilnehmer haben laut Auswertung keine Zweifel daran, dass Spahn das nötige Fachwissen für den Ministerposten im Gesundheitsressort mitbringt. Lediglich 32 Prozent fürchten, dass ihm die nötigen Vorkenntnisse fehlen, um das Amt angemessen ausüben zu können. Jeder Vierte (25 Prozent) traut sich noch kein Urteil über Spahns fachliche Eignung zu. Mit Vorschusslorbeeren aus der Ärzteschaft kann sich der neue Minister jedoch nicht schmücken: Nur 14 Prozent der Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass Spahns bisherige Aussagen zur Gesundheitspolitik und seine politische Einstellung Anlass zur Hoffnung geben, dass der 37-jährige Kabinettsneuling deutliche Verbesserungen in der ambulanten medizinischen Versorgung erreichen kann. 30 Prozent wollten in der Sache noch keine Einschätzung abgeben. Eine Mehrheit von 56 Prozent der befragte Ärzte befürchtet aber: Es wird eher zu Verschlechterungen kommen. 

Als möglichen Grund für den Pessimismus nennt der änd die Ausgangslage für Spahns künftige Arbeit: Die gesundheitspolitischen Inhalte aus dem Koalitionsvertrag halten 60 Prozent der Ärzte für komplett enttäuschend und in großen Teilen unsinnig. Rund 40 Prozent können sich zumindest teilweise mit den von Union und SPD im Koalitionspapier umrissenen Themen anfreunden – bemängeln jedoch, dass die Große Koalition auch große Probleme in der derzeitigen medizinischen Versorgung ignoriert habe. Die „absolute Zustimmung“ zum Koalitionsvertrag kreuzten nur fünf Umfrageteilnehmer an. Die Antworten auf die Frage, welchen Themenfeldern sich Spahn nun mit höchster Priorität widmen soll, zeigen deutlich: Die Niedergelassenen hoffen in erster Linie, dass Spahn den Ausstieg aus der Budgetierung in der ambulante medizinischen Versorgung vorbereitet. Mit einigem Abstand folgt dann das Ende der Regresse, das Zurückdrängen des Einflusses von Krankenkassen ins Versorgungsgeschehen sowie eine gezielte Stärkung der Freiberuflichkeit. 

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