Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Ärztestatistik 2017: „Wer nur die Köpfe zählt, macht es sich zu einfach!“

Entwicklung der im ambulanten Bereich angestellten Ärztinnen und Ärzte

„Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt, aber wer nur Köpfe zählt, macht es sich zu einfach. Die Realität ist komplexer. Uns fehlen Arztstunden. Und wenn wir nicht endlich entschieden gegensteuern und mehr Ärzte ausbilden, dann wird sich dieser Mangel verschärfen.“ Mit diesen Worten kommentierte Prof.  Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), die Ärztestatistik für das Jahr 2017, die am 29. März 2018 vorgestellt wurde. Daraus geht hervor, dass im Jahr 2017 im Bundesgebiet 385.149 Ärztinnen und Ärzte ärztlich tätig waren. Demnach stieg die Zahl der Krankenhausärzte nur leicht um 2,1 Prozent auf 198.500. Bei der Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sei sogar ein Rückgang um 1.285 auf 118.356 zu verzeichnen; dies entspreche einem Minus von 1,1 Prozent.

Insgesamt sei die Zahl der Ärztinnen und Ärzte gegenüber dem Vorjahr zwar etwas (+ 6.542) gestiegen, gleichzeitig erhöhe sich aber in einer Gesellschaft des langen Lebens der Behandlungsbedarf. Die BÄK verwies dabei auf Berechnungen des Statistischen Bundesamts, wonach bis zum Jahr 2040 eine Steigerung des Bevölkerungsanteils der über 67-jährigen um 42 Prozent zu erwarten ist. Für das Statistikjahr 2016 meldete das Amt 19,5 Millionen Behandlungsfälle in den Krankenhäusern. Hinzu kommen rund eine Milliarde Arztkontakte jährlich in den Praxen.

Montgomery begrüßte in diesem Zusammenhang die im Koalitionsvertrag angelegten Maßnahmen zur Bekämpfung des Ärztemangels. Dirigistische Eingriffe wie die geplanten Mindestsprechstundenzeiten trügen jedoch nicht dazu bei, die Niederlassung in eigener Praxis attraktiver zu machen. Statt einer Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten sei eine stärkere Flexibilisierung notwendig. Tatsächlich arbeiteten niedergelassene Vertragsärzte schon jetzt durchschnittlich mehr als 50 Stunden. In den Krankenhäusern sei es ähnlich. Hierbei verwies die BÄK auf Erhebungen des Marburger Bundes, wonach viele Ärzte im Krankenhaus (40 Prozent) 49 bis 59 Stunden pro Woche im Einsatz sind, jeder fünfte habe sogar eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60 bis 80 Stunden, inklusive aller Dienste und Überstunden. Demgegenüber beziffere das Statistische Bundesamt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland auf 35,6 Stunden.

„Ein großer Teil unserer Ärzte arbeitet am Limit. Gleichzeitig sind gerade in der jungen Generation viele nicht mehr bereit, sich auf Kosten der eigenen Gesundheit aufzureiben“, sagte Montgomery mit Blick darauf, dass sich immer mehr Ärzte für eine Festanstellung im ambulanten Bereich entscheiden. Weiterhin ist nach der Ärztestatistik der Anteil der Ärztinnen an der Gesamtzahl der berufstätigen Ärzteschaft im vergangenen Jahr weiter angestiegen und hat jetzt 46,8 Prozent (2016: 46,5 Prozent) erreicht. Aus der aktuellen Statistik werde darüber hinaus auch deutlich, dass der demografische Wandel längst die Ärzteschaft selbst betrifft. So sei das Durchschnittsalter der Krankenhausärztinnen und -ärzte um 0,1 Jahre auf 41,7 Jahre gestiegen, bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sei der Anteil der mindestens 60-Jährigen von 32,6 Prozent auf 33,9 Prozent gestiegen. Ebenfalls auffällig ist die drastisch gestiegene Zahl der angestellten Ärztinnen und Ärzte im niedergelassenen Bereich: Sie erhöhte sich um 3.665 auf 36.013, was einem Anstieg um mehr als elf Prozent entspricht. All diese Entwicklungen tragen nach Einschätzung von Montgomery dazu bei, dass in Zukunft trotz steigender Arztzahlen in Deutschland Ärzte fehlen werden: „Es handelt sich hier in erster Linie nicht um ein Verteilungs-, sondern um ein Kapazitätsproblem. Wir bilden zu wenig Ärzte aus.“ 

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