Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Behandlungsfehlerstatistik 2017: Von „Pfusch“ kann kaum eine Rede sein

„Wir Ärzte können Patienten keine Heilung versprechen, wohl aber, dass wir uns mit ganzer Kraft für ihre Heilung, für die Qualität ihrer Behandlung und damit für ihre Sicherheit einsetzen.“ Das sagte heute Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik für das Jahr 2017 in Berlin. Dass Ärzte diesem Versprechen gerecht werden, belegten die vielfältigen von der Ärzteschaft entwickelten Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Fehlerprophylaxe,. Aber auch Qualitätszirkel, Peer-Reviews, Konsile, Tumorkonferenzen oder Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen sowie anonyme Fehlermeldesysteme gehörten in medizinischen Einrichtungen längst zum Alltag. „Am wichtigsten für die Patientensicherheit ist aber, dass wir Ärzte uns tagtäglich unserer enormen Verantwortung bewusst sind und uns ständig vergegenwärtigen, dass zwischen heilen und schaden oft nur ein schmaler Grat liegt“, sagte Crusius.

Dies gelte insbesondere in einem immer stärker von Behandlungsdruck und ökonomischen Vorgaben geprägten Gesundheitssystem. „Gemessen an dieser enormen Gesamtzahl der Behandlungsfälle liegt die Zahl der festgestellten Fehler Gott sei Dank im Promillebereich“, sagte Crusius. Immerhin habe das Statistische Bundesamt für das Erhebungsjahr 2016 etwa 19,5 Millionen Behandlungsfälle in den Krankenhäusern sowie rund eine Milliarde Arztkontakte in den Praxen ermittelt. Nichtsdestotrotz sei jeder Fehler einer zu viel. Und hinter jeder Komplikation könnten schwere menschliche Schicksale stehen, betonte Crusius. Dennoch gebe es für Panikmache und Pfuschvorwürfe keinen Grund. Beides schade der mittlerweile gut etablierten offenen Fehlerkultur und damit der Fehlerprävention in der Medizin.

Wie Kerstin Kols, Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, berichtete, haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen im Jahr 2017 bundesweit insgesamt 7.307 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen (Vorjahr: 7.639). Es lag in 2.213 Fällen ein Behandlungsfehler vor (Vorjahr: 2.245). Davon wurde in 1.783 Fällen ein Behandlungsfehler bzw. Risikoaufklärungsmangel als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete (Vorjahr: 1845). Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen. In 430 Fällen lag ein Behandlungsfehler bzw. Risikoaufklärungsmangel vor, der jedoch keinen kausalen Gesundheitsschaden zur Folge hatte.

Was die Verteilung der nachgewiesenen Behandlungsfehler angeht, so kam es im Klinikbereich zu gut 75 Prozent der Fehler, wohingegen die Quote im ambulanten Bereich bei 24,5 Prozent lag. Die am häufigsten beteiligten Fachgebiete in Praxen und MVZ waren Unfallchirurgie/Orthopädie (486 Fälle), gefolgt von hausärztlich tätigen Ärztinnen und Ärzten (276 Fälle), Innere Medizin (191 Fälle), Allgemeinchirurgie (183 Fälle), Augenheilkunde (176 Fälle) und Frauenheilkunde (131 Fälle). Bei allen anderen Fachrichtungen lag die Zahl der nachgewiesenen Behandlungsfehler im zweistelligen Bereich. Die häufigsten fehlbehandelten Krankheiten im ambulanten Bereich waren Brustkrebserkrankungen (23 Fälle). Im chirurgischen Spektrum gab es unter anderem 15 fehlbehandelte Karpaltunnelsyndrome, 11 fehlbehandelte Unterarmfrakturen und acht fehlbehandelte Hand- und Handgelenkfrakturen.

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2014 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH