Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Rentenwelle und Nachwuchsprobleme: Deutschland gehen bald die Chirurgen aus

Bis 2020 erreichen etwa 11.000 Chirurginnen und Chirurgen das Rentenalter, das betrifft etwa die Hälfte aller niedergelassenen und fast jeden dritten stationär tätigen Chirurgen. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) bei einer Pressekonferenz im Vorfeld ihres des 135. Jahreskongresses hingewiesen, der vom 17. bis 20. April 2018 in Berlin stattfindet. Die Fachgesellschaft bezog sich dabei auf eine Analyse des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers, wonach 2030 fast jeder vierte chirurgische Arbeitsplatz unbesetzt sein wird – bei stetig steigenden Operationszahlen in Deutschland und fehlendem Nachwuchs.

So hätten im Jahr 2015 Chirurginnen und Chirurgen in Deutschland über 16 Millionen Eingriffe durchgeführt, das sind etwa 30 Prozent mehr Operationen als noch zehn Jahre zuvor. Gleichzeitig sinke die Zahl der jungen Mediziner, die sich für das Fach Chirurgie entscheiden. „Universitäten und Krankenhäuser müssen vor allem an den wichtigen Stellschrauben Work-Life-Balance sowie Forschungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten feilen, um die Chirurgie gegenüber anderen medizinischen Fächern wieder konkurrenzfähig zu machen und im globalen Wettbewerb mitzuhalten“, erklärte DGCH-Präsident Professor Jörg Fuchs. Nur so könne man die Versorgungsqualität in Deutschland auf einem hohen Standard erhalten. 

Wie die DGCH betonte, beginnt die Nachwuchsförderung bereits im Medizinstudium. Dort sei die Grundbegeisterung für das Fach Chirurgie zunächst hoch: „Etwa 40 bis 60 Prozent aller Medizinstudenten visieren zu Beginn ihres Studiums eine chirurgische Laufbahn an“, berichtete Dr. Benedikt Braun, Vertreter des Perspektivforums Junge Chirurgie der DGCH. „Nach dem praktischen Jahr sinken diese Zahlen jedoch schnell auf erschreckende einstellige Werte.“ Dr. Braun ist selbst Assistenzarzt an der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum des Saarlandes und sieht einen Hauptgrund für dieses Phänomen darin, dass Studierende in diesem Abschnitt einen ersten Eindruck vom Arbeitsalltag und dessen physischen und psychischen Belastungen erhalten, die Rahmenbedingungen eines chirurgischen Arbeitsplatzes kennenlernen und sich dann gegen das Skalpell entscheiden.

„Um die Faszination für das Fach Chirurgie erfolgreich zu vermitteln, ist es außerdem kontraproduktiv, die Studierenden zu Hakenhaltern zu degradieren“, mahnte Prof. Fuchs. Wichtig sei es, den Nachwuchs über ein Mentoring-System in die Entscheidungsprozesse zu integrieren und durch Teilhabe und Wertschätzung frühzeitig zu begeistern. Darüber hinaus müssten die Rahmenbedingungen für angehende Fachärzte deutlich verbessert werden. „In der Weiterbildung benötigen wir ein flexibleres Arbeitszeitgesetz, mehr finanzielle Unterstützung durch die Krankenhausverwaltungen für Qualifikationskurse, definierte Freiräume für die Forschung sowie die Vermeidung von Kettenverträgen, um eine Karriere- und Familienplanung zu ermöglichen“, so Fuchs. „Dabei müssen auch Arbeitgeber, die qualifizierten Nachwuchs auf einem zunehmend wettbewerbsorientierten Markt anziehen wollen, moderne Konzepte der Arbeitszeit ermöglichen und entsprechende Rahmenbedingungen für Forscher wie Kliniker schaffen“, ergänzte Braun. „Es ist weniger die Chirurgie, die für den Nachwuchs unattraktiv ist, es sind vielmehr ihre Arbeitsbedingungen.“ 

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