Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Neue G-BA-Regelung zu Mindestanforderungen an die Notfallstrukturen

Am 19. April 2018 hat der Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) einen Beschluss zu einem gestuften System der stationären Notfallversorgung gefasst, in dem die Mindestanforderungen an „Notfallkrankenhäuser“ definiert werden. Das abgestufte System soll dabei als Basis für künftige Vergütungszuschläge für die teilnehmenden Krankenhäuser fungieren. Künftig muss ein Krankenhaus für die Zuordnung in die Basisnotfallversorgung (Stufe 1) mindestens über die Fachabteilungen Chirurgie/Unfallchirurgie sowie Innere Medizin am Standort verfügen. Weitere Voraussetzungen: eine Zentrale Notaufnahme, in der die Patienten aufgenommen und wo auf Grundlage eines strukturierten Systems über die Priorität der Behandlung entschieden wird. Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass die entsprechende Betreuung durch einen Facharzt – bei Bedarf auch durch einen Anästhesisten – innerhalb von maximal 30 Minuten am Patienten verfügbar ist. Für eine möglicherweise angezeigte Intensivbetreuung muss eine Intensivstation mit der Kapazität von mindestens sechs Betten vorhanden sein.

Neben den Mindeststandards für die Basisnotfallversorgung enthält die Regelung des G-BA auch die Anforderungen an eine erweiterte und umfassende Notfallversorgung. Die allgemeine Hilfeleistungspflicht jedes Krankenhauses bleibt von der Zuordnung oder Nichtzuordnung zur Notfallversorgung unberührt. Um die stationäre Notfallversorgung auch in strukturschwachen Regionen zu stärken, werden alle Krankenhäuser, welche die Voraussetzungen für den Erhalt von Sicherstellungszuschlägen erfüllen, mindestens als Basisnotfallversorgungskrankenhäuser eingestuft. Sicherstellungszuschläge dienen dazu, in strukturschwachen Regionen eine stationäre Basisversorgung aufrecht zu erhalten.

Wie der G-BA mitteilte, werden von den jetzigen 1.748 allgemeinen Krankenhäusern nach der neuen Regelung etwa 1.120, also etwa 64 Prozent, Zuschläge erhalten. Die 36 Prozent der Häuser, die keinen Zuschlag erhalten, hätten ganz überwiegend auch in der Vergangenheit keine Notfallversorgung erbracht. Weitere Informationen zu den Regelungen stellt der G-BA auf seinen Internetseiten unter Notfallstrukturen in Krankenhäusern bereit.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung des G-BA-Beschlusses kam ein weiterer Vorschlag zur Notfallversorgung von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), in dem die Selbstverwaltung für den gezielten Einsatz von Portalpraxen wirbt. So erklärte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen: „Die Notfallversorgung in Deutschland ist gut, aber wir können sie mit gemeinsamen ambulant-stationären Strukturen noch weiter optimieren. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind mit gutem Beispiel vorangegangen und haben erfolgreich schon fast 650 Bereitschaftsdienstpraxen eingerichtet, die direkt an die Notaufnahmen von Kliniken angegliedert sind, so genannte Portalpraxen.“

Die KBV bezieht sich in ihrem neuen Vorstoß auf ein im Auftrag der KBV erstelltes Gutachten des RWI – Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), das die Notfallversorgung in Deutschland auswertet und den tatsächlichen Bedarf an ortsgebundenen Notfall-Versorgungszentren im Land im Rahmen einer Simulationsmodellierung veranschaulicht. Demnach sollte jeder Einwohner bundesweit einen Anfahrtsweg von maximal 30 Minuten bis zum nächsten Notfallversorger haben. Nach dem Modell „Grüne Wiese“, das heißt bei freier Verortung der Standorte, wären bundesweit 337 Anlaufstellen dafür ausreichend, Nach dem Modell „reale Standorte“, bei dem die ambulanten Notfallzentren an bereits bestehende Kliniken mit Notfallversorgung angegliedert würden, könnten sogar 99,6 Prozent aller Einwohner Deutschlands innerhalb eines Radius von maximal 30 Minuten Fahrzeit versorgt werden. Dafür wären bundesweit 736 Zentren nötig, die sich mit der Notaufnahme einer Klinik einen gemeinsamen Tresen teilen. Die durchschnittliche Anfahrtszeit beträgt nach Auswertungen des RWI in diesem Szenario 17 Minuten.

Derzeit nähmen jedoch insgesamt 1.456 Krankenhäuser an der Notfallversorgung teil. „Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir nicht an jeder Klinik eine Portalpraxis brauchen. Das wäre vollkommen unwirtschaftlich“, erklärte Dr. Gassen. So zeige das Gutachten auch, dass Patienten in bestimmten Regionen mehrere Anlaufstellen zur Auswahl hätten, wenn es an jeder Klinik eine Portalpraxis gäbe. „Das ist versorgungstechnisch sowie im Hinblick auf einen vernünftigen Ressourceneinsatz nicht sinnvoll.“ Das Gutachten des RWI sowie weitere Informationen zum Thema Notfallversorgung finden Sie auf der entsprechenden Themenseite der KBV.

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