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Ambulant tätige Anästhesisten fordern für Telematik-Infrasturktur mehr Zeit und Wettbewerb

Die ambulant tätigen Anästhesisten in Deutschland fühlen sich bei der geplanten Einführung der Telematik-Infrastruktur (TI) gegängelt. Wie die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) mitteilte, betrifft diese Kritik in erster Linie die Verpflichtung, sich bis Ende des Jahres am erweiterten Datenaustausch im deutschen Gesundheitswesen zu beteiligen, damit Patientendaten von allen relevanten Stellen zügig verschickt, abgerufen und eingesehen werden können. Wie Jörg Karst, Vertreter der ambulant und vertraglich tätigen Narkoseärzte im „Berufsverband Deutscher Anästhesisten“ (BDA), erläuterte, sind die Ärzte dabei gezwungen, für den Anschluss an das System einen ganz bestimmten Konnektor zu kaufen, der bislang nur von einem einzigen Unternehmen angeboten wird. Zum einen finde also kein Wettbewerb statt, außerdem sei aus Ärztekreisen zu hören, dass es außerdem große Probleme bei der Einführung der Technik gibt, zum Beispiel durch Lieferengpässe und defekte Apparate. Gleichzeitig werde der Konnektor für einen Arzt immer teurer, je länger er mit der Bestellung wartet, weil Fördergelder gekürzt werden.

Karst forderte nun, dass die Frist zur Einführung der neuen Technik vom 1. Januar 2019 auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Außerdem verlangen die ambulant tätigen Anästhesisten eine gleichbleibend hohe Förderung zur Anschaffung der Konnektoren. Schließlich übernähmen sie mit dem neuen System auch einen großen Teil der Verwaltungsaufgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Mit ihrer Kritik an der Einführung der TI sind die ambulant tätigen Anästhesisten nicht allein. So forderten auch die Delegierten beim 121. Deutschen Ärztetag Anfang Mai 2018 in Erfurt die Politik auf, die verpflichtende Anbindung der Arztpraxen und medizinischen Versorgungszentren (MVZ) an die TI zum Ende des Jahres 2018 auszusetzen. Ebenso forderten sie, die Strafandrohung von Honorarabzügen zurückzuziehen.

Dem Ärztetag vorausgegangen waren Äußerungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wonach das gesamte TI-Projekt möglicherweise vor dem Aus steht. Spahn hatte insbesondere die Chipkarte als nicht mehr zeitgemäß kritisiert und eine Smartphone-Lösung ins Spiel gebracht. Die Kanzlerin hatte sich offen für das Aus der elektronischen Gesundheitskarte gezeigt und ihrem Minister – ungeachtet der bereits investierten Summen – „freie Hand“ für andere Lösungen zugesichert. Wenige Tage später ruderte Spahn allerdings wieder zurück: Entgegen der jüngsten „Spekulationen“ halte das Bundesgesundheitsministerium am Aufbau der TI fest, hieß es aus Berlin. Das umfasse eine flächendeckende Installation der Konnektoren in Arztpraxen, Kliniken und Apotheken einschließlich der eGK-Terminals. Alle laufenden Verfahren zur Unterstützung des Aufbaus der TI seien fortzuführen – allerdings solle der Zugang der Versicherten zur TI den technischen Möglichkeiten von 2018 angepasst werden. Spahn will sich „spätestens nach der Sommerpause“ zu neuen Plänen für die Weiterentwicklung des Projekts äußern. Möglicherweise läuft es für die Ärzteschaft also nur auf eine kleine Verschnaufpause hinaus.

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