Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Zukunft von GKV und PKV: Renovierungsstau bei beiden Honorarsystemen

In der Gesundheitspolitik steht das duale System aus privater und gesetzlicher Krankenversicherung derzeit nicht auf der Agenda. Und doch zeigte die Podiumsdiskussion bei der Frühjahrstagung der Initiative Gesundheitswirtschaft Rhein-Main e. V. am 23. Mai 2018 in Frankfurt, dass viele Akteure durchaus noch grundlegenden Reformbedarf an beiden Honorarsystemen sehen. Wenig überraschend, bezeichnete die SPD-Politikerin Cornelia Prüfer-Storcks, die als Gesundheitssenatorin Beamten der Hansestadt Hamburg jüngst den Weg in die gesetzliche Krankenversicherung geöffnet hat, die Bürgerversicherung nach wie vor als einen guten Ansatz. Allerdings wolle sie weder eine Einheitsversicherung einführen, noch die privaten Krankenversicherungsunternehmen abschaffen. Ihr Ziel ist ein einheitlicher Versicherungsmarkt im Sinne einer allgemeinen Krankenversicherung, die auch von den privaten Krankenversicherungsunternehmen angeboten werden kann. Anders als von Seiten der Ärzteschaft häufig befürchtet, wolle sie durch eine solche Vereinheitlichung auch nicht das insgesamt verfügbare Honorarvolumen beschneiden, sondern beide Honorarsysteme einer dringend notwendigen Renovierung unterziehen, um sie zukunftsfest zu machen.

Für den BNC-Vorsitzenden Dr. Christoph Schüürmann hingegen ist eine Vereinheitlichung der Vergütungssysteme, weil in bestimmten Stadtteilen ohne einen hohen Anteil von Privatpatienten Ärztinnen und Ärzte weniger verdienen als in anderen, eine viel zu grobe nahezu unzulässige Betrachtungsweise, weil es von Fach zu Fach vollkommen unterschiedlich ist. „Bestes Gegenbeispiel ist die Chirurgie, die Grundversorgung und ambulante Operationen durchführt. Ich persönlich erfahre in meiner Praxis erst hinterher, ob der Patient privatversichert ist“, sagte er. Für ihn bedeutet „zukunftsfest“ vor allem, politisch vorgegebene Ungerechtigkeiten bei der ärztlichen Vergütung in der gesetzlichen Krankenversicherung zu beseitigen. „Es ist die Politik, die vorgegeben hat, dass die GKV im Schnitt 25 Prozent der ärztlichen Leistungen nicht bezahlt!“ Es sei nicht weiter hinnehmbar, dass so viele akzeptierte und unstrittige  Arztleistungen einfach nicht bezahlt und mithin durch die Ärzteschaft kostenlos geliefert würden: „Das ist Zechprellerei!“ Ebenso sei es Zechprellerei, den Krankenhäusern die ihnen zustehende duale Finanzierung zu verweigern. „Auch wenn es die Zuständigkeit der Länder ist, hat der Bund genau so darauf zu bestehen. Die Lösung kann nicht sein, dass die Krankenkassen stattdessen in die Bresche springen sollen und dafür mehr Mitspracherechte erhalten“, meinte Schüürmann.

Mit Blick auf die aktuelle gesundheitspolitische Agenda der Bundesregierung warnte der BNC-Vorsitzende vor überzogenen Erwartungen an die Ausweitung von Sprechzeiten in den Praxen: „Durch Erhöhung von Sprechzeiten werden auch nicht mehr Ärzte gebacken, vielmehr ist die nachfolgende Ärztegeneration schon gar nicht mehr bereit, solche Auflagen zu akzeptieren – mit welchen Ärzten wollen Sie das dann machen?“ Es sei mittlerweile ebenso schwer geworden, Praxissitze von Ruheständlern nachzubesetzen wie qualifiziertes Personal für die anspruchsvollen Tätigkeiten heutiger Medizinischer Fachangestellter zu finden. Das Wartezeitproblem, das sehr verschieden Ursachen hat, z. B. zu wenige Ausbildungskliniken bei Fächern wie Augenheilkunde oder Dermatologie, könne nur durch mehr Ärzte (Erweiterung der Studentenzahlen) und durch verbesserte Arbeitsbedingungen – sprich: Abschaffung der Budgets – erreicht werden. Ein weiteres Problem, das heute nun auch zu Wartezeitproblemen führt, ist Schüürmann zufolge die immer noch gültige, komplett unsinnige Bedarfsplanung mit Ist-Zahlen aus dem Jahr 1990: Wie weit kommt man, wenn man das auf andere Branchen, etwa den Flughafen Frankfurt, überträgt? Mit diesem veralteten System, dem heute jede Grundlage fehlt, ist die Feststellung von Über- oder Unterversorgung absurd.“

Zusammenfassungen der Reden anderer Teilnehmer der Podiumsdiskussion, darunter der CDU-Politiker und Vorsitzende des Gesundheitsausschusses  im Bundestag, Erwin Rüddel (der sich auf Pflege, Digitalisierung und flächendeckende Versorgung konzentrieren möchte), Dr. Andreas Meusch, Direktor des Wissenschaftlichen Instituts der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (der mit Blick auf die Niederlande vor dem Wechsel zu einem einheitlichen Versicherungsmarkt warnte) und Debeka-Chef Uwe Laue (der den Wettbewerb zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung als wichtigen Schlüssel für die gute Versorgung verteidigte) kann man in einem entsprechenden Bericht des Ärztenachrichtendienstes nachlesen.

 

 

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