Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Stimmen zum neuen Gutachten des Sachverständigenrats

Als „zukunftsweisend“ hat der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, in einer ersten Reaktion das vor wenigen Tagen vom Sachverständigenrat (SVR) Gesundheit an das Gesundheitsministerium übergebene Gutachten zur bedarfsgerechten Steuerung der Gesundheitsversorgung bezeichnet. „Ungeachtet der Tatsache, dass ohne Frage in der Detailbetrachtung aus unserer Sicht auch Kritik an dem einen oder anderen Vorschlag der Gutachter anzubringen ist – so zum Beispiel mit Blick auf Pläne für ein verändertes Nachsetzungsverfahren im ambulanten Bereich – hat der Sachverständigenrat erstmals deutlich gemacht, dass auch der Patient ein Akteur des Gesundheitssystems ist, dessen Verhalten Auswirkungen auf die Effektivität des Systems und damit auch auf seine bestmögliche Versorgung hat“, sagte Reinhardt. Er lobte, dass der SVR die Notwendigkeit sieht, die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen durch Patientinnen und Patienten besser zu steuern. Schließlich sei es bisher stets darum gegangen, auf begrenzte Ressourcen durch Regulierungen auf Leistungserbringerseite zu reagieren.

Die Agentur deutscher Ärztenetze wiederum zeigte sich erfreut, dass der Sachverständigenrat in seinem Gutachten die Arzt- und Praxisnetze als eine Möglichkeit, eine sektorenübergreifende Versorgung zu erreichen, benennt. Damit erkenne der Sachverständigenrat an, dass Praxisnetze die Effektivität und Effizienz der Gesundheitsversorgung an der Schnittstelle zwischen der ambulanten und der stationären Versorgung verbessern können. Der Vorstandsvorsitzende der Agentur deutscher Arztnetze, Dr. Veit Wambach, erklärte dazu: „Gleichzeitig stellt der Sachverständigenrat jedoch fest, dass die Arzt- und Praxisnetze unter zu starken und die Effektivität und Effizienz der Gesundheitsversorgung eher behindernden Regulierungen bzw. Einschränkungen leiden. Er empfiehlt daher, um weitere Optionen für die regionale Versorgung zu ermöglichen, dass nach § 87b anerkannte Praxisnetze der Stufen I und II künftig den Leistungserbringerstatus erhalten können. Gemeinsam mit dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) Mitte Juni, nach dem Ärztenetze gestärkt werden sollen, ergibt sich damit ein positives Gesamtbild hinsichtlich der Forderungen der Agentur deutscher Arztnetze, MVZ gründen und Ärzte anstellen zu können. Ich blicke zuversichtlich auf die kommenden Diskussionen und bin gespannt, wie die Empfehlungen des Sachverständigenrates aufgenommen werden.“

Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin bewertete in erster Linie die Vorschläge des SVR zur Neuordnung des Notfallwesens in Deutschland, die ihrer Einschätzung nach viele Anpassungen im System erfordert: „Um die Pläne umzusetzen, brauchen wir mehr Einigkeit unter den Beteiligten und vermutlich auch mehr Personal“, sagte Professor Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Arbeitskreises Notfallmedizin in der DGAI. Um sinnvolle Fortschritte einzuleiten, müsse man noch mehr Daten und Hintergrundinformationen über die Wirksamkeit der heutigen Notfallversorgung sammeln. Gleichzeitig müssten in vielen einzelnen Bereichen Aufgaben und Organisation neugeordnet werden, von den Rettungsleitstellen über die Rettungsdienste bis zu den Notaufnahmen in den Krankenhäusern: „Das ist ein Prozess, der einige Jahre dauert!“, warnte der Notfallmediziner.

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) interessierte sich vor allem für die Reformvorschläge zur Notfallversorgung. Sie begrüßte daher den Stellenwert, den die Notfallversorgung im SVR-Gutachten genießt. DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum erklärte: „Die Ansiedlung der ambulanten Notfalleinrichtungen an Krankenhäusern ist die einzig sinnvolle und richtige Zuordnung.“ Mit 11 Millionen Fällen finde der überwiegende Teil der ambulanten Notfallversorgung in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser statt. Auffällig dabei sei die steigende Zahl der Patienten, die während der Öffnungszeiten der Praxen in die Kliniken kommen. Seien die Patienten mit ihren Nöten erst einmal im Krankenhaus, würden sie dort auch versorgt. „Deshalb lautet die erste These unseres Konzepts, Patienten können nicht weggeschickt werden. Und die logische zweite: Alle Krankenhäuser, die die Voraussetzungen erfüllen, müssen ambulante Notfallleistungen erbringen können dürfen und die dritte: Alle ambulanten Notfallleistungen müssen kosten- und sachgerecht vergütet werden.“ Eine direkte Abrechnung mit den Kassen ohne begrenzendes Budget sei erforderlich, um die ambulante Notfallversorgung auch finanziell auf eine vernünftige Basis zu stellen.

Für Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesundheitsförderung bei der Partei Bündnis 90/Die Grünen decken sich die Vorschläge des SVR weitgehend mit den grünen Ideen für eine Reform der Notfallversorgung. „Es ist wichtig für die Bürgerinnen und Bürger, klar verständliche Strukturen zu haben: eine Telefonnummer, eine Anlaufstelle vor Ort, eine Form der Ersteinschätzung, ob die oder der Betroffene stationär oder ambulant weiter behandelt werden muss. Nur so können wir die überfüllten Notaufnahmen entlasten und Menschen in das für sie passende Versorgungsangebot lenken.“ Kappert-Gonther kritisierte in diesem Zusammenhang Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU): „Er hat bislang keinerlei konkrete Vorschläge gemacht, wie er die Notfallversorgung reformieren will, geschweige denn einen Termin genannt, bis wann er einen Gesetzesvorschlag vorlegen will. Dabei ist seit Jahren absehbar, dass die Notfallversorgung dringend reformiert werden muss. Spahn darf die Verantwortung nicht länger auf die Selbstverwaltung abschieben.“

 

 

 

 

 

 

 

 

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