Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Stimmen zum Honorarabschluss 2019 zwischen KBV und GKV-Spitzenverband

Am 21. August 2018 haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband über die Weiterentwicklung des Orientierungswertes und die Berechnung für die Veränderungsrate bei der morbiditätsorientierten Vergütung für 2019 geeinigt. Wie der GKV-Spitzenverband meldete, sieht die im Erweiterten Bewertungsausschuss einstimmig getroffene Entscheidung vor, dass der Orientierungswert, also der Preis für die einzelne Leistung, im kommenden Jahr um 1,58 Prozent steigt, was einem Honorarzuwachs von rund 550 Millionen Euro entspricht. Die Veränderungsrate für die Morbidität wird, so die vorläufigen Berechnungen, zu einem zusätzlichen Vergütungsumfang von rund 70 Millionen Euro führen.

„Wie das heutige Ergebnis einmal mehr zeigt, funktioniert die gemeinsame Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen“, kommentierte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes das Ergebnis. „550 Millionen Euro zusätzlich durch den höheren Orientierungswert und 70 Millionen Euro mehr für den Anstieg der Morbidität sind ein gutes Ergebnis, denn damit steigen die Arzthonorare merklich, ohne die Beitragszahler zu überfordern. Durch den erwarteten Mengenanstieg bei den Einzelleistungen rechnen wir als GKV-Spitzenverband noch einmal mit rund 400 Millionen Euro Honoraranstieg. Darüber hinaus werden die Arzthonorare im kommenden Jahr vermutlich noch stärker steigen, denn die Politik hat im Rahmen der laufenden Gesetzgebung weitere Honorarerhöhungen angekündigt".

Von Seiten der Ärzteverbände hingegen hagelte es Kritik. „Worauf sich KBV und GKV-Spitzenverband geeinigt haben, ist im besten Fall ein Inflationsausgleich, dies als einen Erfolg der Selbstverwaltung zu verkaufen, ist ein starkes Stück“, meinte beispielsweise der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt. Auch der Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten und Sprecher der Allianz Deutscher Ärzteverbände, Dr. Hans-Friedrich Spies, zeigte sich einem Bericht der Ärzte Zeitung zufolge unzufrieden: Die Steigerung um 1,58 Prozent beim Orientierungswert liege unterhalb der Preissteigerungsrate und sei auch niedriger als die verhandelten Personalkosten der Medizinischen Fachangestellten. Auch der NAV-Virchow-Bund verwies auf die steigenden Personalkosten in den Praxen: Mit dem erhöhten Orientierungswert ließen sich nicht einmal die Gehaltssteigerungen der Medizinischen Fachangestellten auffangen, die in den vergangenen Jahren 2,6 Prozent (2017) und 2,2 Prozent (2018) betrugen, sagt der Bundesvorsitzende Dr. Dirk Heinrich. 

Und der Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbandes Fachärzte (SpiFa), Lars Lindemann, erklärte: „Beim erfolgten Honorarabschluss für das Jahr 2019 von einem Erfolg zu sprechen, wird der Realität derer, die in der Versorgung der Versicherten jeden Tag Verantwortung übernehmen, nicht gerecht. Das dürftige Ergebnis dann noch mit Kommentaren zu garnieren, dass der GKV-Spitzenverband erfolgreich eine Überforderung der Versicherten abwenden konnte, während das System auf Finanzrücklagen von mehr als 20 Milliarden Euro hockt, ist nicht nur schlechter Stil, vielmehr bewirkt es ein Fortschreiben des Abwendens von der Selbstverwaltung. Dieses Elfenbeinturm-Denken verhöhnt jeden Arzt, der in seiner Praxis tagtäglich mit mehr Patienten, mehr Bürokratieaufwand und mehr Versorgungsaufwand konfrontiert ist. Vor diesem Hintergrund nicht einmal den Inflationsausgleich zu gewähren, zeigt wie entrückt der GKV-Spitzenverband von der Versorgung ist.“

Der Vorsitzende des Erweiterten Bewertungsausschusses Prof. Jürgen Wasem hingegen wehrte sich gegen Kritik an mangelndem Inflationsausgleich. Über den Kurznachrichtendienst Twitter erklärte er: „Dass beim Honorarabschluss der Ärzte im EBA der Inflationsausgleich nicht erreicht wurde, ist fake news. Je nach Messkonzept liegt die Inflationsrate in Arztpraxen deutlich unter 1,58 %. Zudem ist die Kostenquote in Arztpraxen im Durchschnitt bei 54%, die Erhöhung gilt für 100%.“ 

Dem Online-Nachrichtenportal DocCheck zufolge liegt die unterschiedliche Einschätzung des Honorarergebnisses vor allem an den verschiedenen Bezugsgrößen, mit denen die Entwicklung der ärztlichen Einkünfte berechnet wird. Während der GKV-Spitzenverband sich auf Daten des Statistischen Bundesamts berufe, die eine mehr oder minder lineare Entwicklung ärztlicher Honorare in den letzten Jahren zeigten, ziehe die KBV eigene Statistiken ihres Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) heran. Demnach stieg zwischen 2010 und 2017 der Nominallohnindex aller Angestellten in Deutschland um +19 Prozent. Für leitende Oberärzte lägen die Lohnsteigerungen im selben Zeitraum bei 15 Prozent, auch der Bundesbasisfallwert für Krankenhäuser sei um 15 Prozent gestiegen. Für Ärzte im vertragsärztlichen Sektor hingegen habe der Zuwachs nur bei sechs Prozent gelegen.

Auf der Internetseite der KBV ist nachzulesen, welche Schritte nun im Anschluss an die Honorarverhandlungen folgen und nach welchem Zeitplan die Neuerungen umgesetzt werden sollen.

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