Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Umfrage: Mehr als jeder vierte Arzt verweigert Anschluss an die Telematik-Infrastruktur

Mehr als jeder vierte niedergelassene Arzt in Deutschland (28%) will sich derzeit nicht an die Telematik-Infrastruktur (TI) für Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte anschließen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zu Cyberrisiken und Digitalisierung im Gesundheitswesen, für die im Juni/Juli 2018 200 Arztpraxen sowie in 101 Apotheken befragt worden waren.

Obwohl das E-Health-Gesetz den Arztpraxen einen Anschluss bis zum Jahresende vorschreibt und andernfalls finanzielle Sanktionen vorsieht, wollen diese Ärzte zunächst die weitere Entwicklung abwarten oder äußern Zweifel daran, dass das System aktuell funktionsfähig und mit der Datenschutzgrundverordnung vereinbar ist. Ein Viertel der Arztpraxen (26%) ist bereits an die TI angeschlossen, ein weiteres Drittel (34%) hat den Anschluss fest eingeplant.

Überwiegend skeptisch stehen die niedergelassenen Ärzte der Umfrage zufolge Online-Sprechstunden gegenüber. Lediglich sechs Prozent könnten sich ein solches Angebot vorstellen, für 89 Prozent kämen Online-Sprechstunden grundsätzlich nicht infrage. Sie wandten insbesondere ein, dass im Rahmen einer Online-Sprechstunde der persönliche Kontakt zu den Patienten fehle (85%), eine umfassende Diagnose nicht möglich sei (74%) und keine Krankschreibungen oder Rezepte ausgestellt werden dürften (55%).

Grundsätzlich werde die zunehmende Digitalisierung des Gesundheitswesens von den Befragten aber positiv gesehen: Für 56 Prozent der Ärzte und 61 Prozent der Apotheker überwiegen nach Angaben des GDV zufolge die Vorteile, nur 28 bzw. 24 Prozent sehen eher Nachteile. Positiv bewertet werden vor allem eine beschleunigte und vereinfachte Abrechnung mit Krankenkassen und der bessere Austausch mit den Patienten und anderen Ärzten. Sorgen bereiten den Ärzten und Apothekern hingegen ein höheres Risiko von Cyber-Kriminalität und der Schutz der sensiblen Patientendaten.

Ohnehin steht die im E-Health-Gesetz verankerte Vorgabe, wonach vertragsärztliche Praxen bis Jahresende 2018 an die TI angeschlossen sein müssen, derzeit unter Beschuss. So scheint es Konsens zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband zu sein, dass dieser Termin nicht zu halten ist. So berichtete das Deutsche Ärzteblatt online, die Krankenkassen zeigten Verständnis für die Forderung der KBV nach einer Fristverlängerung. Denn nach wie vor gebe es nur einen Anbieter zugelassener TI-Konnektoren, der zudem mit dem Rollout nicht so schnell vorankomme wie es erforderlich wäre. Der GKV-Spitzenverband schlage deshalb eine Fristverlängerung bis zum 30. Juni 2019 vor. Unabhängig von diesem Einlenken bekräftigte der GKV-Spitzenverband aber seine Haltung seine Kritik am „gesetzlich bedingten Konstruktionsfehler“ der Gematik: „Der Widerspruch zwischen der 100-prozentigen Finanzierungsverantwortung der gesetzlichen Krankenversicherung auf der einen Seite und die aufgeteilte Entscheidungsverantwortung auf der anderen Seite führt zu zeitraubenden Entscheidungsprozessen bei der Umsetzung der Digitalisierung im Gesundheitswesen“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Kassenverbandes.

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2014 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH