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NARKA 2018: Spinalanästhesie als gute Alternative zur ambulanten Narkose?

Viele Anästhesisten und ambulante OP-Zentren haben die Spinalanästhesie nicht auf dem Radar, obwohl sich damit insbesondere beim Ambulanten Operieren gute Ergebnisse erzielen lassen. So die Quintessenz eines Vortrags des niedergelassenen Anästhesisten Dr. Andreas Krier (Berlin) beim Kongress der niedergelassenen Anästhesisten (NARKA), der am vergangenen Wochenende in Berlin stattgefunden hat. Mit den beiden kurzwirksamen Substanzen Prilocain und Chloroprocain müssten die Patienten nicht erst lange liegen, bis die Spinalanästhesie wirkt. Dem schnellen Wirkeintritt stehe allerdings auch ein verkürztes Wirkfenster gegenüber, das bei Prilocain 120 Minuten und bei Chloroprocain sogar nur 40 Minuten lang sei. Da es so gut wie nie zu postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV) komme, könnten Patienten bereits nach 240 Minuten (Prilocain) bzw. sogar schon nach 120 Minuten (Chloroprocain) entlassen werden.

„Operateure schätzen die gute relaxierende Wirkung bei der Spinalanästhesie“, berichtete Dr. Krier. Außerdem setzten die postoperativen Schmerzen in der Regel später und auch langsamer ein, sodass sie besser zu managen seien als nach einer Allgemeinanästhesie. Das scharf begrenzte Wirkfenster der beiden Substanzen setze allerdings voraus, dass man sich auf die Zeitangaben zur OP-Dauer, die der Operateur mache, auch wirklich verlassen kann: „Insbesondere beim Chloroprocain endet die Wirkung tatsächlich ziemlich abrupt nach 40 Minuten.“

Als Indikationen für eine Spinalanästhesie nannte Dr. Krier sämtliche Eingriffe an den unteren Extremitäten, aber auch gynäkologische oder urologische Operationen sowie Leistenhernien- oder Narbenhernienoperationen. „Das Verfahren eignet sich insbesondere für Patienten mit bekannter PONV-Problematik“, erklärte Dr. Krier. Als häufigste Komplikation des Verfahrens nannte der Anästhesist den postoperativen Harnverhalt, der in 1,5 bis 3 Prozent der Fälle auftrete. „Wegen des Risikos eines Harnverhalts oder sogar einer Überlaufblase ist es wichtig, die erste Miktion nach der OP genau zu dokumentieren“, riet Dr. Krier. Auf ein präoperatives Preloading von Flüssigkeit, wie es lange Zeit zur Stabilisierung des Kreislaufs empfohlen wurde, solle man lieber verzichten, zumal die Effektivität einer solchen Maßnahme ohnehin mittlerweile widerlegt sei.

Vorsicht solle man auch bei der Mobilisierung des Patienten nach der Operation walten lassen: „Viele Patienten haben nach einer Spinalanästhesie schnell das Gefühl, wieder aufstehen zu können, doch dann gehorchen ihre Beine doch noch nicht so recht“, erzählte Dr. Krier. Daher sollten sie nur in Begleitung und mit Unterstützung aufstehen und die ersten Schritte wagen. Darüber hinaus müssten Patienten aufgeklärt werden, dass sich ein möglicher postoperativer Harnverhalt auch in Form von Rückenschmerzen äußern kann und dass sie bei neurologischen Symptomen wie Kopfschmerzen oder wiedereintretenden Taubheitsgefühlen in den Beinen umgehend den Anästhesisten kontaktieren sollten.

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