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Smarte Einlegesohlen helfen bei der Prävention diabetischer Fußgeschwüre

Dass druckempfindliche Einlegesohlen die Inzidenz diabetischer Fußgeschwüre verringern können, ist aus Einzelfallbeschreibungen bereits bekannt. Allerdings fehlten bislang kontrollierte Studien, die den Effekt solcher Systeme belegen. Beim Jahreskongress der Europäischen Diabetesgesellschaft (EASD), der in diesen Tagen in  Berlin stattfindet, hat Professor Neil Reeves, der an der britischen Universität von Manchester einen Lehrstuhl für Musculoskeletale Biomechanik innehat, nun eine solche Studie vorgelegt. Demnach liegt im Verlauf des Lebens eines Diabetikers das Risiko für ein diabetisches Fußgeschwür bei 25 Prozent. Bei Patienten, die bereits einmal ein solches Ulkus hatten, kommt es allerdings in 50 bis 70 Prozent der Fälle binnen 5 Jahren zu Rezidiven.

Fußulzerationen bei Diabetikern mit Neuropathien entstehen meist infolge eines zu hohen plantaren Drucks bzw. zu langer Intervalle mit entsprechendem Druck, ohne dass der Patient auf diesen Druck aufmerksam wird. Daher untersuchte Prof. Reeves in einer randomisierten Kontrollstudie den Effekt spezieller druckempfindlicher Einlegesohlen, die den gemessenen Druck an eine Smartwatch-App übertragen und auf diesem Wege den Nutzer benachrichtigen, wenn der gemessene Druck bestimmte Grenzwerte überschreitet. Bei dem verwendeten System handelte es sich um die Einlegesohle SurroSense Rx, die in den Schuh eingelegt wird und dort kontinuierlich mit acht Sensoren den Druck in der Plantarregion misst.

An der Studie nahmen insgesamt 58 Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes teil, die in der Vergangenheit infolge einer peripheren Neuropathie bereits einmal ein diabetisches Fußulkus gehabt hatten. Alle Patienten trugen die druckempfindlichen Einlegesohlen, doch nur die Teilnehmer in der Interventionsgruppe erhielten die Smartwatch-Benachrichtigungen bei zu hoher Druckbelastung und wurden von der App aufgefordert, zwei Minuten umherzugehen, den Fuß zu entlasten oder den Schuh auszuziehen und nachzuschauen, ob möglicherweise ein Fremdkörper für den Druck verantwortlich war. Die Patienten nutzten das System für einen Zeitraum von 18 Monaten bzw. bis ein erneutes Fußgeschwür auftrat.

Wie Prof. Reeves berichtete, stellte sich bei der Auswertung heraus, dass es in der Studiengruppe nach 11.835 Personentagen Tragedauer zu vier erneuten Ulzerationen gekommen war, in der Kontrollgruppe hingegen gab es nach 8.638 Personentagen Tragedauer zehn Ulkusrezidive. Dies entspricht einem Rückgang der Reulzerationsrate von 71 Prozent. „Rechnet man diejenigen Patienten heraus, die weniger als 4,5 Stunden pro Tag die Einlegesohlen getragen hatten, ging das Risiko für eine Reulzeration sogar um 86 Prozent zurück“, erklärte Prof. Reeves. Der Feedback-Mechanismus der druckempfindlichen Einlegesohlen helfe Patienten beim Empowerment: „Die Sohlen helfen ihnen, sich wieder besser um ihre Füße zu kümmern, und zwar auf eine Weise, die ihnen zuvor aufgrund ihrer peripheren Neuropathie verwehrt war“, schloss Prof. Reeves.

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