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Mobbing, Beleidigungen und Erniedrigung: Der OP als Hochrisiko-Arbeitsplatz

 

Dass der Ton an chirurgischen Arbeitsplätzen bisweilen rauer als anderswo ist, scheint mehr als nur ein Klischee zu sein. Dies geht aus einem im British Journal of Surgery veröffentlichten systematischen Review von Usman A. Halim vom Manchester University NHS Foundation Trust und seinem Team hervor, die hierfür 32 Studien aus 15 Nationen (Australien, Kanada, China, Griechenland, Italien, Japan, Neuseeland, Nigeria, Pakistan, Irland, Südkorea, Schweden, Taiwan, Großbritannien und die USA) ausgewertet haben. Sie kommen zu dem Schluss, dass das chirurgische Tätigkeitsfeld ein besonders hohes Risiko birgt, Opfer von sexueller Belästigung, Mobbing, Erniedrigungen oder anderen unangemessenen Verhaltensweisen zu werden. So hätten 22 der 32 ausgewerteten Studien über Vorfälle dieser Art berichtet, die sich negativ auf die psychische Gesundheit und Arbeitszufriedenheit der Opfer auswirkten und psychische Störungen bis hin zu Suizidgedanken hervorrufen könnten.

Vor allem Frauen sind der Untersuchung zufolge Opfer von sexueller Belästigung, Mobbing, Erniedrigungen oder anderen unangemessenen Verhaltensweisen, und hier insbesondere Studentinnen, angehende Chirurginnen in der Facharztausbildung und Krankenschwestern auf chirurgischen Stationen. In einer der ausgewerteten Studien hatten unter 970 OP-Schwestern 25 Prozent angegeben, im Operationssaal schon ein- oder mehrmals sexuell belästigt worden zu sein. In einer anderen Untersuchung hatten knapp 60 Prozent der Befragten angegeben, dass sie mindestens wöchentlich Zeuge von Mobbing oder Erniedrigung in ihrem Arbeitsumfeld seien, während gut ein Drittel angaben, selbst mindestens zweimal pro Woche Opfer unangemessenen Verhaltens zu sein.

Die Autoren betonen, dass Schlussfolgerungen aufgrund der unterschiedlichen Qualität der ausgewerteten Studien sowie kultureller Unterschiede schwierig sind. Dennoch konstatieren sie, dass es in der Chirurgie weltweit zum einen offenbar eine hohe Prävalenz unangemessenen Verhaltens in Form von sexueller Belästigung, Mobbing oder Erniedrigungen gibt. Zweitens hat derartiges Verhalten äußerst negativen Einfluss auf die Betroffenen und damit letztlich auch auf die Patientensicherheit. Und drittens gibt es bis dato nur wenige nachweislich erfolgreiche Interventionen, mit denen sich derart unerwünschtes Verhalten unterbinden lässt. Und zuguterletzt bemängeln sie den ungenügenden Forschungsstand zu diesem gravierenden Problem.

Quelle:

U. A. Halim, D. M. Riding: Systematic review of the prevalence, impact and mitigating strategies for bullying, undermining behaviour and harassment in the surgical workplace. In: BJS 2018 (105:11, S. 1390-1397) 

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