Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

DKOU: Eine Niederlassung in Orthopädie und Unfallchirurgie lohnt sich!

„Viel besser als ihr Ruf: Orthopädisch-unfallchirurgische Praxen – Ein Zukunftsmodell mit Perspektive“, so lautete der Titel einer Sitzung beim Deutschen Kongress Orthopädie Unfallchirurgie am vergangenen Freitag in Berlin. Und tatsächlich entsprach das Fazit nach der Podiumsdiskussion ziemlich genau dem Veranstaltungstitel. Eine Niederlassung als Orthopäde/Unfallchirurg ist immer noch eine reizvolle und lohnende Perspektive für den Nachwuchs – allerdings müssen heutzutage ganz andere Faktoren bedacht werden als noch vor zwei bis drei Jahrzehnten, als die heutige Generation sich mit einer eigenen Praxis selbstständig gemacht hat.

So erklärte der Präsident des Bundesverbandes Ambulantes Operieren (BAO), Dr. Axel Neumann: „Die selbstständige freiberufliche Tätigkeit mit ihren persönlichen Freiheiten und dem Gestaltungsspielraum hat immer noch ihren Reiz – aber man muss sich sehr genau überlegen, in welcher Form und mit welchen Schwerpunkten man arbeiten möchte.“ Ganz ähnlich formulierte es Dr. Roland Tenbrock, ein in Düsseldorf niedergelassener Orthopäde mit überwiegend konservativem Therapiespektrum: „Als ich mich 1998 niedergelassen habe, war meine Arbeit anfangs entspannt. Meine Bank finanzierte mein Vorhaben ohne großes Nachfragen, ich hatte ein gutes finanzielles Auskommen und war abends rechtzeitig zu Hause. Heute kann man sich nicht mehr einfach niederlassen und vor sich hinarbeiten – man braucht einen guten Steuerberater, betriebswirtschaftliche Kenntnisse, Benchmarks und einen ausgefeilten Businessplan.“ Und auch sein Kollege und BVOU-Vorstandsmitglied Dr. Helmut Weinhart betonte: „Man braucht ein Konzept, muss seine eigenen Fähigkeiten genau reflektieren und bei der Wahl der Spezialisierung den Markt genau analysieren.“

Diese Aussichten wirken auf junge Fachärztinnen und Fachärzte längst nicht so abschreckend wie es oft den Anschein macht. So sieht es jedenfalls Torben Bruhn von der Apotheker- und Ärztebank in Berlin: „Wir bei der Apobank bringen über unsere Praxisbörse Verkäufer mit möglichen Käufern von Praxen zusammen. Und wir haben tatsächlich mehr Nachfrager nach guten Praxen als Angebote. Allerdings achten potenzielle Käufer heute auf andere Faktoren als früher.“ Gibt es ausreichend viele Parkplätze? Ist die Praxis gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden? Und natürlich analysierten sie die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen der Bestandspraxis: Wie kommt der bislang erzielte Praxisumsatz zustande? Lässt er sich auch dann erzielen, wenn nicht wie bislang die Ehefrau in der Praxis mitarbeitet? Reicht der erzielbare Umsatz für die gewünschte Finanzierung aus?

Die meisten potenziellen Praxiskäufer kämen mit den Kennzahlen einer konkreten Praxis in die Finanzierungsberatung der Apobank, berichtete Bruhn. Daneben böten auch die jeweiligen KVen Niederlassungsberatung an, in der sich die Verdienstmöglichkeiten ausloten lassen. Hierzu erklärte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen: „Für den typischen Zeitraum einer Praxisfinanzierung, also zehn Jahre, würde ich ausschließlich die möglichen Einkünfte aus dem Kollektivvertrag berücksichtigen. Was über Selektivverträge zusätzlich in die Kasse kommt, würde ich als Sahnehäubchen betrachten.“ Schließlich veränderten Selektivverträge sich häufig so rasch, dass sich keine langfristige betriebswirtschaftliche Planung auf sie aufbauen lasse. „Das Geld von der KV kommt regelmäßig und zuverlässig, darauf sollte man sich kalkulatorisch konzentrieren“, sagte Gassen.

Aus dem Plenum regte sich nach den Ausführungen allerdings auch Widerspruch: „Wir jungen Ärzte haben zumindest bei uns in Niedersachsen gar keine Chance mehr uns niederzulassen“, warf ein junger Arzt ein, „weil immer mehr Klinik-MVZ Praxissitze aufkaufen, werden für Praxissitze kaum noch unter 700.000 Euro verlangt, das ist für einen Privatmenschen nicht darstellbar!“ KBV-Chef Dr. Gassen bestätigte diese Beobachtung: „Auch wir beobachten mit Sorge, dass die Preise in utopische Höhen steigen, wenn Fremdkapital sich einkauft. Das ist insbesondere bei augenärztlichen und Zahnarztpraxen ein großes Problem, wo Praxen gleich reihenweise von Ketten aufgekauft werden.“ Die KBV versuche auf den Gesetzgeber einzuwirken, damit durch Fremdkapital finanzierte Praxen oder MVZ nach einer gewissen Zeit einen Rentabilitätsnachweis erbringen müssen. „In anderen Branchen interessiert es ja auch die Finanzämter, ob eine Firma aus betriebswirtschaftlicher Sicht nur als Liebhaberei betrieben wird.

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