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DKOU: Kreuzbandverletzungen bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig operieren!

Rupturen des vorderen Kreuzbands (VKB) im Kindes- und Jugendalter nehmen ständig zu. Darauf haben Experten bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Deutschen Kongresses Orthopädie Unfallchirurgie (DKOU) am 25. Oktober 2018 in Berlin hingewiesen. Als Gründe für den Anstieg der Fallzahlen nannten sie zum einen, dass Kinder und Jugendliche sich heute viel zu wenig bewegen und daher generell unsportlicher seien als frühere Generationen. Gleichzeitig gebe es einen Trend zu Risikosportarten, auf welche die Körper von Kindern und Jugendlichen mangels Bewegungserfahrung nicht ausreichend vorbereitet seien.

Wie der Sporttraumatologe und Mannschaftsarzt des Fußballvereins MSV Duisburg, Dr. Christian Schoepp, berichtete, habe man VKB-Rupturen im Kindes- und Jugendalter aus Sorge um operationsassoziierte Wachstumgsstörungen früher vorzugsweise konservativ behandelt und mit der Operation gewartet, bis die Wachstumsfugen geschlossen waren. „Wir wissen heute, dass dies ein Trugschluss war“, sagte der Unfallchirurg. Heute sei man sich einig, dass die möglichen Sekundärschäden am Kniegelenk bei anhaltender Instabilität viel gravierender sind als das Risiko eines Eingriffs. „Um einer Arthrose im Erwachsenenalter vorzubeugen, raten Kreuzbandexperten heute daher dazu, Kindern und Jugendlichen mit Kreuzbandverletzungen und nachgewiesener Instabilität eine stabilisierende Operation anzubieten.“

Hierbei sei die Kreuzbandersatzplastik der Goldstandard. „Wollte man eine banderhaltende VKB-Plastik durchführen, wäre es nötig, dass das verletzte Kind spätestens zehn bis 14 Tage nach dem Unfall operiert wird“, erklärte Schoepp, „doch das ist einfach utopisch, so schnell wird niemand auch nur einen Termin für ein MRT bekommen.“ Das Zeitfenster für eine banderhaltende Operation schließe sich aber drei Wochen nach dem Trauma. Schoepp wies darauf hin, dass bei sorgsamer Platzierung der Bohrkanäle die Wahrscheinlichkeit für iatrogene Wachstumsstörungen sehr gering sei. Und sein Kollege Priv.-Doz. Dr. Raymond Best, Orthopäde und Unfallchirurg sowie Mannschaftsarzt des Vfl Stuttgart, ergänzte: „Das Material für Kreuzbandersatzplastiken ist bioadaptierbar, es wächst also bis zu einem gewissen Grad mit.“ Entsprechend sei die Gefahr von Knorpelschäden im Erwachsenenalter infolge eines OP-Verzichts bei Kindern und Jugendlichen viel größer als das Risiko von Wachstumsstörungen.

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