Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Ärzteverbände verärgert über die neue TK-App „Ada“

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat ihr digitales Angebot um einen „auf künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Symptomcheck“ erweitert. Wie die TK mitteilte, können Nutzer der App „Ada“, die TK-versichert sind, dort ihre Beschwerden eingeben, erhalten eine persönliche Analyse und werden auf Wunsch über passende digitale Versorgungsangebote der TK informiert. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, erklärte anlässlich der Präsentation des neuen Angebots: „Mit dem digitalen Symptomcheck und anschließendem Arzt-Chat geben wir bereits heute einen Ausblick darauf, wie Versorgung in der Zukunft aussehen kann.“ In allen anderen Lebensbereichen gebe es bereits umfassende digitale Angebote. Auch für die Gesundheit brauche man praktische digitale Tools, mit denen man sich von überall aus mit dem Arzt verbinden kann. „Dass wir als Kasse Innovationen vorantreiben ist das Eine – hier ist aber auch die Politik gefordert, innovative Lösungen schneller ins Gesundheitswesen zu bringen“, sagte Baas weiter.

Im Rahmen des neuen Projekts kooperiert die TK mit dem Berliner Unternehmen „Ada Health“, das die gleichnamige KI-Technologie „Ada“ entwickelt hat. Ada funktioniere im Prinzip wie ein Chat. Der Nutzer beantworte Fragen zu seinen Symptomen, bis genügend Informationen für eine qualifizierte Einschätzung vorliegen. Martin Hirsch, Mitgründer und Chief Scientific Officer von Ada Health, erklärte dazu: „Ada informiert die Nutzer direkt über mögliche Ursachen ihrer Beschwerden und zeigt ihnen mögliche nächste Schritte auf – zum Beispiel, ob sie einen Arzt konsultieren sollten.“ In der nächsten Ausbaustufe, die für Anfang 2019 vorgesehen ist, werde der Symptomcheck von „Ada“ direkt in die neue „TK-Doc“-App integriert. TK-Versicherte könnten dann auch über eine App ihrer Krankenkasse auf den Symptomcheck zugreifen und auf Wunsch direkt mit einem Arzt sprechen. Die Gespräche führten Mediziner des TK-Ärzte-Zentrums.

Es dauerte nicht lang, bis sich der erste Protest aus der Ärzteschaft zu den Plänen der TK regte. So erteilte der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, dem Projekt eine scharfe Absage. Wörtlich sagte Reinhardt: „Diese Form von Einmischung einer Krankenkasse in das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis ist für uns eine klare Grenzüberschreitung.“ Die Kommunikation zwischen Krankenkasse und Versichertem habe sich im Kern auf Fragen zu beschränken, die das bilaterale Versichertenverhältnis beträfen. Reinhardt: „Da erhält der Begriff ‚Kassen-Arzt’ eine ganz neue Bedeutung und das Gesundheitssystem gerät in Schieflage, wenn den Kolleginnen und Kollegen in der Niederlassung oder der Klinik am Ende die Rolle des Zweitmeinungs-Lieferanten bleibt. Das ist mit uns nicht zu machen. Die persönliche und unmittelbare Arzt-Patienten-Beziehung muss Kernelement der Versorgung bleiben.“

Auch der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. Dirk Heinrich, äußerte sich kritisch:  „Wir Ärzte müssen und werden die Digitalisierung und die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) nutzen. Apps wie z. B. ADA werden von Patienten immer stärker genutzt und die Ergebnisse dieser Apps werden voraussichtlich auch immer besser. Wichtig ist jedoch, dass am Ende dieser Angebote immer ein Vertragsarzt steht.  Das erwarte ich auch vom neuen Angebot der TK. Ansonsten ist das faktisch die Kündigung der Kollektivverträge und die Übernahme des Sicherstellungsauftrages durch die Krankenkassen. Telemedizin durch kasseneigene Ärzte sehen wir sehr kritisch. Die Versorgung durch von Kassen angestellte Ärzte hat schon im letzten Jahrhundert nicht funktioniert. Wenn der Kostenträger selbst behandelt, verändert sich die Versorgung zu Lasten der Patienten. Das kann nichts werden.“

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