Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Neuer Streit um Notfallversorgung und Sprechzeiten

Angesichts überfüllter Notaufnahmen will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Reißleine ziehen und die Notfallversorgung komplett umkrempeln. Wie das System nach dieser Reform aussehen soll, das u. a. gemeinsame Notfallleitstellen vorsieht, die über die Rufnummern 112 und 116 117 erreichbar sind, erklärte Spahn diese Woche in einer Videobotschaft. Für den GKV-Spitzenverband war die Ankündigung des Ministers ein willkommener Anlass, einmal mehr auf den vermeintlich unzureichenden Sprechzeiten niedergelassener Ärztinnen und Ärzte herumzureiten. Unter dem Titel „Nach Feierabend bitte nicht krank werden – Sprechzeiten beim Arzt müssen flexibler werden“ veröffentlichte der Verband eine Presseerklärung, in der sein stellvertretender Vorstandsvorsitzender Johann-Magnus von Stackelberg auf geschlossene Praxen an Mittwoch- und Freitagnachmittagen sowie Abenden und Samstagen verwies und stichelte: „Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser gehen. Denn Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte.“ Mit Verweis auf eine Forsa-Umfrage unter 1.400 niedergelassenen Ärzten erklärte der GKV-Spitzenverband, bisher habe nur rund jede zehnte Arztpraxis zumindest zwischen 19.00 und 20.00 Uhr Sprechstunde. „Diesem guten Vorbild sollten viele Ärzte folgen, damit die Menschen besser versorgt werden können. Gerade am frühen Abend und an den Wochenenden muss sich einiges ändern“, forderte von Stackelberg.

Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, wies diese Forderung entschieden zurück; er bezeichnete sie sogar als „polemische Einlassungen“. Denn auch zu Zeiten, in denen Praxen geschlossen sind, sei die Versorgung der Patienten über Notfallpraxen oder organisierte Vertretungsmöglichkeiten jederzeit gesichert. Bei einer bestehenden Wochenarbeitszeit von 55-60 Wochenstunden sei es zudem nur in sehr begrenztem Umfang möglich, das bestehende Angebot weiter auszudehnen. Dr. Reinhardt sagte: „Das Problem besteht nicht nur in vermeintlichen Engpässen an Mittwoch- oder Freitagnachmittagen – Zeiten in denen Ärzte über die oben beschriebenen umfangreichen Präsenzzeiten hinaus verpflichtende Fortbildungen wahrnehmen – sondern auch durch die Fehlinanspruchnahme zu üblichen Praxisöffnungszeiten.“

Wenn Patienten in großem Umfang Klinikstrukturen für die akute Notfallversorgung nutzten, liege dies daran, dass sie nicht ausreichend über Ärzte im Bereitschaftsdienst informiert seien oder dass sie vermuten, dass sie im Krankenhaus besser versorgt würden. An dieser Stelle sei es vielmehr originäre Aufgabe der Krankenkassen, ihre Versicherten diesbezüglich zu informieren, forderte Dr. Reinhardt. Herr von Stackelberg könne darüber hinaus ja auch – gerne am Wochenende – nachdenken, ob wiederholtes Fehlverhalten und nicht effizienter Einsatz von Ressourcen durch Versicherte auch milde Sanktionsmöglichkeiten seitens der Krankenkasse nach sich ziehen könnte.

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