Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

BNC kritisiert Stellungnahme des BDC zur Bedarfsplanung

Auch wenn sich die beiden chirurgischen Berufsverbände BDC (Berufsverband Deutscher Chirurgen) und BNC (Berufsverband Niedergelassener Chirurgen) in den vergangenen Jahren in vielen Streitfragen angenähert haben – so gibt es doch immer wieder einmal unterschiedliche Auffassungen in aktuellen berufspolitischen Fragen. Jüngstes Beispiel: Ein Expertenstatement des BDC, in dem der Verband die „undifferenzierte Bedarfsplanung“ kritisiert und „eine genauere Definition des Bedarfs von grundversorgenden Praxen in der Allgemeinchirurgie und der Orthopädie/Unfallchirurgie und die Berücksichtigung spezieller Versorgungserfordernisse“ fordert. Der BDC bezog sich dabei auf einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) von September 2018 zur Zusammenlegung der Planungsgruppen, der dazu führen werde, dass sich die Entwicklung für die originäre chirurgische Versorgung in der Fläche verschlechtert. Chirurgensitze würden nach Einschätzung des BDC von neuen Fachärzten für Orthopädie und Unfallchirurgie übernommen und deswegen von der Planungsgruppe Chirurgie in die Gruppe Orthopädie wandern. Das werde langfristig zur chirurgischen Unterversorgung führen.

Der BNC-Vorsitzende Dr. Christoph Schüürmann sieht das in einigen Punkten anders, wie seine folgende Stellungnahme verdeutlicht, die wir hier ungekürzt wiedergeben:

Für die Mehrheit der niedergelassenen Chirurgen, insbesondere die ca. 1.800 niedergelassenen Chirurgen ohne Schwerpunkt, ist die Zusammenlegung der Versorgungsebenen Chirurgie und Orthopädie/Unfallchirurgie der letzte Rettungsanker, ihre Praxen überhaupt noch im ambulanten Sektor, außer an Krankenhäuser, weiterzugeben.

Zur Erinnerung, diese KollegInnen hatten nach dem unseligen Urteil des BSG von September 2016, verkürzt dargestellt, dass Chirurgen nur durch (nicht mehr ausreichend vorhandene Chirurgen) nachbesetzt werden dürfen, über Nacht ihre Möglichkeit der Praxisweitergabe und damit ihres Erhalts in der Versorgung systematisch verloren.

Der BNC (Berufsverband Niedergelassener Chirurgen) hat sich daher sehr intensiv für die Zusammenlegung genau aus dem oben genannten Grund eingesetzt.

Wir haben dabei bewusst u. a. in Kauf genommen, dass es damit zu einer Verschiebung der chirurgischen und orthopädisch/unfallchirurgischen Versorgungsanteile kommt, da der Abbau von ambulanter chirurgischer Versorgung ansonsten noch viel rasanter vonstatten gehen würde.

Der Grund für die Verschiebung ist nicht etwa die neue Bedarfsplanungsrichtlinie, sondern der seit Jahren anwachsende und nunmehr jedem deutlich gewordene Mangel an chirurgischen Nachwuchskräften.

In der derzeit noch geltenden Weiterbildungsordnung Allgemeinchirurgie, aber auch Viszeralchirurgie, Kinderchirurgie, plastische und Gefäßchirurgie etc. lassen sich in Deutschland pro Jahr nur noch wenige Ärzte nieder, ihre Zahl ist pro Jahr und deutschlandweit einstellig, und aus statistischen bzw. datenschutzrechtlichen Gründen muss sie inzwischen sogar <= 5 bezeichnet werden.

Nur den „alten“ Chirurgen findet man Mitte zweistellig, den Orthopäden/Unfallchirurgen, was auch historische Gründe hat, niedrig dreistellig. Das ist auch noch viel zu wenig, um die ambulante Versorgung langfristig aufrecht zu erhalten.

Es gibt derzeit einfach kaum noch KollegInnen, die sich im Fachgebiet Chirurgie niederlassen wollen, obwohl dieser Beruf nicht nur aufgrund seiner Effektivität und Möglichkeiten einer der schönsten überhaupt ist, wenn man ihn selbstständig, aber auch angestellt ausübt.

Der BNC hat sich über Jahre sehr intensiv dafür eingesetzt, dass in der neuen nun in den Ländern umzusetzenden MWBO (Musterweiterbildungsordnung) die Allgemeinchirurgie nicht nur erhalten, sondern auch durch deutlich über höhere traumatologische Inhalte sowie Reintegration des fachgebundenen Röntgens Skelett aufgewertet wurde.

Das ist natürlich auch nicht konfliktfrei abgelaufen. Daher freuen wir uns und begrüßen es sehr, dass nun auch der Autor des oben genannten Artikels dem Allgemeinchirurgen eine feste Position in der zukünftigen chirurgischen ambulanten Grundversorgung eingeräumt hat.

Das war nicht immer so.

Wir stimmen überein, dass es selbstverständlich eine differenzierte Anwendung der neuen Bedarfsplanungsrichtlinie zwischen den chirurgischen Säulen geben muss. Das ist aber auch schon angedacht.

Funktionieren kann das aber immer nur unter der Voraussetzung, dass auch entsprechend genügend Kandidaten vorhanden sind.

Das ist in unseren Augen derzeit das Hauptproblem.

Daher ist es uns niedergelassenen Chirurgen immer noch lieber, wenn ein orthopädisch/unfallchirurgische(r) KollegeIn einen chirurgischen Sitz übernimmt, der damit zumindest in der niedergelassenen Ebene verbleibt, als wenn der Sitz an ein Krankenhaus mit ungewissem Schicksal geht oder eine Weitergabe überhaupt nicht mehr möglich ist.

Wir hoffen sehr, dass der neue Allgemeinchirurg, der für die Niederlassung allein aufgrund seiner höheren Kompetenz deutlich attraktiver ist als der bisherige, von den Weiterbildungskandidaten auch mehr angenommen wird, damit langfristig die ambulante niedergelassene chirurgische Versorgung erhalten bleibt.

Uns ist auch klar, dass wir dazu wohl noch eine Dekade abzuwarten haben. Allerdings wurde die niedergelassene Tätigkeit jüngst in einer großen Umfrage von der zukünftigen Generation deutlich aufgewertet. So besteht nun die Möglichkeit dank der neuen MWBO, dass die Kandidaten schon im Rahmen ihrer Weiterbildung in der Niederlassung ankommen.

Die jetzigen Praxisinhaber müssen diese Zeichen der Zeit erkennen und entsprechend reagieren, das heißt, Weiterbildungskandidaten in den Praxen aufnehmen und tätig werden lassen.

Mit der Abschaffung der niedergelassenen Allgemeinchirurgie durch eine neue MWBO bei unverständlicher BSG-Rechtsprechung haben wir uns definitiv nicht abgefunden.

Dr. Christoph Schüürmann, 1. Vorsitzender BNC

 

 

 

 

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2014 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH