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Wundpatienten haben keine starke Lobby wie Krebspatienten oder kranke Kinder

Wenn die Behandlung chronischer Wunden im ambulanten Sektor kaum wirtschaftlich darstellbar ist, dann heißt das im Umkehrschluss nicht etwa, dass es für Krankenhäuser einfacher ist. Darauf hat Prof. Martin Storck, Direktor der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie am Klinikum Karlsruhe, in einer Sitzung beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) zum Wundmanagement in Klinik und Praxis im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) Ende März 2019 in München hingewiesen. „Patienten mit chronischen Wunden haben einfach keine starke Lobby wie Krebspatienten oder kranke Kinder“, sagte er.

Als Ursache für die unbefriedigende Situation machte Prof. Storck zum einen die unklare Zuordnung des Gebiets ‚chronische Wunde’ aus: Mit Gefäßchirurgie, Dermatologie, Allgemeinchirurgie und Diabetologie/Angiologie beanspruchten derzeit mehrere Fachdisziplinen, die zuständigen Primärversorger beim diabetischen Fußsyndrom und chronischen Wunden zu sein. Gleichzeitig gehe der Trend bei Selektivverträgen immer stärker zur hausarztzentrierten Versorgung: „Die AOK Baden-Württemberg macht es vor, hier gibt es Facharztverträge nur als Add-On-Verträge“, erklärte Prof. Storck.

Für eine Klinikambulanz sei das Betreiben einer Wundambulanz zwar zunächst nicht kosteneffektiv, aber dennoch strategisch von Vorteil – sofern es gelinge, Probleme in der Zuweisungspraxis zu lösen: „Wenn Patienten mit chronischen Wunden im niedergelassenen Bereich keine zeitnahen Termine bekommen, dann müssten sie eigentlich in einer Institutsambulanz behandelt werden“, erklärte Prof. Storck. Doch ohne eine persönliche oder Institutsermächtigung könne seine Klinik Patienten nur dann behandeln, wenn sie stationär eingewiesen würden: „Und genau davor scheuen viele Hausärzte eben zurück.“

Doch auch bei den letztlich stationär versorgten Patienten sei der Verlauf nicht immer zufriedenstellend: „Oft werden sie im Krankenhaus behandelt, irgendwann entlassen und dann zwei Jahre lang irgendwo ambulant weiterbehandelt, ohne dass sich ihr Zustand verbessert“, berichtete Prof. Storck, „manchmal verschlechtert sich ihr Zustand sogar – aber wenn sie dann wieder eingewiesen werden, dann vielleicht ganz woanders und in eine ganz andere Abteilung.“ Um solche Drehtüreffekte vermeiden und die digitale Sektoren-Überleitung zu gewährleisten, benötige man eine elektronische Patientenakte, die auf einem Zentralserver verwaltet wird.

 

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