Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Bloßes Anheben einer Leiter nicht geeignet für Rotatoren­manschetten­verletzung

Ende Juni hatte das Sozialgericht Karlsruhe über folgenden Fall zu verhandeln: Ein als Maler und Lackierer beschäftigte Kläger wollte am Unfalltag eine etwa 30 kg schwere Leiter auf die nächste Gerüstlage befördern. Hierzu hob er die Leiter mit nach vorn angewinkelten Armen langsam nach oben an. Bei diesem Vorgang verspürte er einen stichartigen Schmerz und einen Kraftverlust im rechten Schultergelenk. Er konnte die Leiter nicht mehr halten, die auf ihn zurückfiel und an der rechten Hüfte traf. Die beklagte Berufsgenossenschaft anerkannte unter Auswertung radiologischer und arthroskopischer Unterlagen das Ereignis als Arbeitsunfall und als Unfallfolge allein eine folgenlos ausgeheilte Prellung der rechten Hüfte. Zugleich lehnte sie die Anerkennung eines Defekts der Supraspinatussehne als Unfallfolge mit der Begründung ab, der Unfallhergang sei nicht geeignet gewesen, Schädigungen der rechten Schulter hervorzurufen; auch die arthroskopischen Befunde sprächen für eher degenerative Veränderungen.

Die deswegen erhobene Klage blieb allerdings erfolglos: Die traumatische Verletzung einer Sehne der Rotatorenmanschette setze nach medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen einen geeigneten Unfallablauf im Sinne einer unnatürlichen Zugbelastung der Sehne voraus. Eine solche unnatürliche Zugbelastung habe hier nicht vorgelegen. Vielmehr habe es sich um ein inneres und durch die Willensbildung und Kraftanstrengung des Klägers von ihm gesteuertes und kontrolliertes Geschehen gehandelt. Bei der ärztlichen Erstuntersuchung seien auch keine äußeren Verletzungszeichen an der Schulter oder eine Pseudoparalyse zu objektivieren gewesen. Auch der arthroskopische Befund belege einen degenerativen Sehnenschaden. Dass vor dem Unfallereignis weder Funktionsbeeinträchtigungen im Bereich des rechten Schultergelenks vorgelegen hätten noch ärztliche Behandlungsmaßnahmen erforderlich gewesen seien, führe zu keinem anderen Ergebnis, weil Schadensanlagen lange Zeit klinisch stumm verlaufen könnten.

Das Gericht folgerte, dass der bloße zeitliche Zusammenhang zwischen einer versicherten Tätigkeit und dem Auftreten von Gesundheitsstörungen nicht geeignet sei, den ursächlichen Zusammenhang wahrscheinlich werden zu lassen. Der Unfallhergang habe hier allein den Stellenwert einer rechtlich bedeutungslosen Gelegenheitsursache

Urteil vom 27.06.2019 – S 1 U 3580/18

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