Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Ärzte-Appell im „Stern“: Gegen das Diktat der Ökonomie in den Krankenhäusern

Das Wochenmagazin „Stern“ macht unter den Akteuren im Gesundheitswesen derzeit mit einer großangelegten Aktion von sich reden. Unter dem Motto „Rettet die Medizin!“ beschreibt der Stern in seiner aktuellen Ausgabe die Auswirkungen des vor 16 Jahren eingeführten DRG-Fallpauschalensystems. In den Artikel heißt es unter anderem: „Jeder bekommt sie zu spüren, der heute eine Klinik betritt. Wir tragen dort unsichtbare Preisschilder auf der Stirn. Die Verdachtsdiagnose entscheidet darüber, wie interessant wir für das Haus sind. Ob man uns besser aufnehmen oder wenn irgend möglich unter Vorwänden weiterschicken sollte.“ Gepaart mit wachsendem ökonomischem Druck empfinden viele die Missstände als gravierend, sodass sich initial 215 Ärztinnen und Ärzte als Einzelpersonen sowie 19 Organisationen geschlossen hinter den Ärzte-Appell gestellt haben, den man hier in vollem Wortlaut nachlesen kann.

Kernbotschaften des Appels sind:

  • Krankenhäuser dienen der Daseinsvorsorge ebenso wie Polizei oder Feuerwehr. Niemand würde fordern, dass die Polizei oder Feuerwehr schwarze Nullen oder Profite erwirtschaften müssen. Warum also Krankenhäuser?
  • Die Führung eines Krankenhauses gehört in die Hände von Menschen, die das Patientenwohl als wichtigstes Ziel betrachten – also Angehörige der Heilberufe und nicht Betriebswirte.
  • Das DRG-System bietet viele Fehlanreize, so belohnt es beispielsweise alle Eingriffe, bei denen viel Technik über berechenbar kurze Zeiträume zum Einsatz kommt und bestraft den sparsamen Einsatz von invasiven Maßnahmen ebenso wie Ärztinnen und Ärzte, die abwarten, beobachten und nachdenken, bevor sie handeln.
  • Der Arbeitstag im Zeitalter der Fallpauschalen und der Durchökonomisierung der Medizin ist bis zur letzten Minute durchgetaktet, ohne dass der angestiegene Zeitaufwand für Verwaltungsarbeiten, Weiterbildung, Patientengespräche und Teambesprechungen wurde.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fordern eine Abschaffung bzw. grundlegende Reform des DRG-Systems, einen Stopp der ökonomisch gesteuerten Übertherapie sowie Unterversorgung von Patienten und eine bedarfsgerechte Krankenhausplanung.

Zu den unterstützenden Organisationen zählen u. a. die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Bundesvertretung der Medizinstudierenden Deutschland (BVMD), die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Unter den 15 Ärztinnen und Ärzte als Einzelpersonen finden sich u. a. der Berliner Chirurg und Ärztekammerpräsident Dr. Günther Jonitz, der Frankfurter niedergelassene Chirurg Dr. Bernd Hontschik, der Chirurg und Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windhorst, der DGCH-Generalsekretär Prof. Hans-Joachim Meyer und DGCH-Vizepräsident Prof. Matthias Anthuber.

Wer den Ärzte-Appell „Rettet die Medizin!“ ebenfalls namentlich unterstützen möchte, kann an an aerzteappell@stern.de schreiben, damit sein Name auf der Liste der Unterzeichnenden veröffentlicht wird. Um überprüfen zu können, dass die Unterzeichnenden wirklich Ärztin oder Arzt sind, benötigt die Redaktion des „Stern“ folgende Angaben, wobei nur Punkt 1-3 veröffentlicht werden:

1. den vollständigen Namen,

2. Facharztbezeichnung und Funktion,

3. Arbeitsort,

4. ggf. Arbeitgeber,

5. E-Mail von einem verifizierbaren Account (z. B. Praxis, Arbeitgeber)

6. Hilfreich: Website-Auftritt der Praxis oder des Arbeitsgebers, aus denen die ärztliche Tätigkeit hervorgeht.

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