Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Online-Umfrage in NRW und RLP: Oberärzte unter Zeitdruck

Im Juni/Juli 2019 hat der Marburger Bund Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz (MB NRW/RLP) online Oberärztinnen und Oberärzte nach ihren Arbeitsbedingungen befragt. Die 1.247 Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiteten zu 42 Prozent in einem Krankenhaus mit kirchlichem Träger, zu 27 Prozent an einer kommunalen Klinik, zu 16 Prozent an einer Uniklinik und zu 15 Prozent an einer Klinik in privater Trägerschaft. Die Abteilungsgröße betrage im Schnitt 75 Betten. 34,2 Prozent der Teilnehmer seien Oberärztinnen, 65,8 Prozent Oberärzte.

Die Ergebnisse der Umfrage sind alarmierend. Wie der MB NRW/RLP mitteilte, beklagten über 77 Prozent der Befragten, dass sie nicht ausreichend Zeit für die Betreuung von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung haben. „Hier muss dringend gegengesteuert werden“, mahnte Dr. Hans-Albert Gehle, erster Vorsitzende des Marburger Bundes NRW/RLP. Gerade Oberärztinnen und Oberärzte seien für die Weiterbildung unseres ärztlichen Nachwuchses unverzichtbar.

Gut 92 Prozent der Befragten kritisierten ferner, dass sie täglich zwischen einer und vier Stunden ihrer wertvollen Arbeitszeit verlieren, weil sie nichtärztliche administrative Tätigkeiten ausführen müssen. „Die massiv gestiegene bürokratische Arbeit muss endlich durch nichtärztliches Personal erledigt werden, damit Ärztinnen und Ärzte wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben“, forderte Dr. Gehle. Viele Umfrageteilnehmer berichteten außerdem, dass Oberärztinnen und Oberärzte oftmals Arbeiten übernehmen, die früher Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung erledigt hätten, nun seien aber deren Stellen nicht besetzt. Oftmals werde auch bemängelt, dass es keine Arbeitszeiterfassung gibt. Wenn es eine elektronische Zeiterfassung gibt, dürften Oberärztinnen und Oberärzte in manchen Häusern nicht teilnehmen. 

Doch die Umfrage offenbar nach Darstellung des MB NRW/RLP noch weitere Fehlentwicklungen: So hätten über 41 Prozent der Befragten angegeben, dass interne ökonomische Vorgaben die oberärztliche Tätigkeit prägen. Auch das Gebot der Wirtschaftlichkeit hätten 39 Prozent als prägend dargestellt. Der MB NRW/RLP zitierte beispielhaft aus der Umfrage: „Wenn die Arbeit immer dichter und die Ökonomie immer wichtiger, kann keine gute Medizin das Resultat sein“, hieß es etwa zum schwierigen Spagat zwischen Ökonomie und ärztlichem Handeln. „Die Unzufriedenheit wächst wegen der Belastung und Unpersönlichkeit und dem hohen Erwartungsdruck – mir macht die Arbeit immer weniger Spaß“, eine weitere von vielen gleichlautenden Äußerungen.

Unzufriedenheit bestehe auch beim Thema Überstunden: Zahllose Oberärzte berichteten demnach von täglich ein bis drei Überstunden, auch in Teilzeit. Das erlaubte Maximum des Arbeitszeitgesetzes werde oft überschritten. Bemängelt würden auch versteckte Überstunden: „Keine Pausen. Abarbeiten administrativer Aufgaben in den Bereitschaftsdiensten statt Ruhezeit.“ Über 28 Prozent hätten ferner angegeben, weder Geld, noch Freizeitausgleich für Überstunden zu erhalten. Zudem liege die Belastung in Rufbereitschaften am Wochenende oft im Schnitt über 50 Prozent. Infolge der vielen Missstände hätten viele der Befragten bereits resigniert und spielten mit dem Gedanken, die klinische Tätigkeit aufzugeben. Für Dr. Gehle ist deshalb klar: „Die Politik sollte die beklagten Arbeitsbedingungen der Oberärztinnen und -ärzte in Krankenhäusern zur Kenntnis nehmen. Sie sind eine Folge der fortschreitenden Ökonomisierung der Medizin, der jahrelangen chronische Unterfinanzierung unserer Kliniken und der uns fehlenden Studienplätze.“

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