Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Gefäßmediziner kritisieren: Zu wenig Gefäßdiagnostik bei chronischen Wunden

Schätzungsweise 800.000 Menschen in Deutschland leiden unter einem Ulcus cruris. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) anlässlich ihrer 35. Jahrestagung vom 16.–18. Oktober 2019 in Mannheim hingewiesen. Auslöser seien meist Durchblutungsstörungen in Venen oder Arterien. Nach den Auswertungen von Krankenkassendaten würden zwei Drittel der Erkrankungen durch Störungen in den Beinvenen verursacht, bei fast einem Fünftel lägen Durchblutungsstörungen in den Arterien vor. Bei einigen Patienten seien auch beide Systeme betroffen.

„Insgesamt lassen sich vier von fünf offenen Beinen auf Erkrankungen der Blutgefäße zurückführen“, sagte Dr. Holger Diener vom Herz- und Gefäßzentrum des  Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Für den Leiter der Kommission Wundmanagement bei der DGG sollte deshalb vor Beginn der Behandlung immer eine Untersuchung der Blutgefäße erfolgen. Doch diese Gefäßdiagnostik werde in Deutschland häufig nicht durchgeführt. So gehe aus den Statistiken der Krankenkassen hervor, dass in den drei Monaten vor und nach dem Aufbrechen der Wunde nur bei einem Viertel der Patienten wenigstens eine gefäßdiagnostische Maßnahme abgerechnet wird. Häufig beschränkten sich die Hausärzte auf die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index.

„Auf eine erweiterte Diagnostik mit Ultraschall oder Kontrastmitteln wird jedoch häufig verzichtet“, kritisierte Diener. Dabei verbesserten sich mit Duplexsonografie und Angiografie, die eine gezielte Therapie ermöglichen, die Chancen auf Wundheilung. „Wie eine Untersuchung zeigt, kommt es um 30 Prozent häufiger und schneller zur Abheilung der offenen Beine, wenn eine Gefäßdiagnostik erfolgt“, sagte Diener. Bei arteriellen Störungen sei eine minimalinvasive Katheterbehandlung oder eine Operation indiziert, die die Verkalkungen aus den Gefäßwänden entferne. Manchmal legten Gefäßchirurgen auch Bypässe an den Beinen. „Diese Gefäßinterventionen werden in Deutschland aber zu selten durchgeführt“, betonte DGG-Präsident Prof. Dr. Dittmar Böckler. Selbst bei einer nachgewiesenen arteriellen Verschlusskrankheit würden nur etwa 70 Prozent behandelt. Bei Menschen mit Diabetes, die an einer Wunde am Fuß und unter Durchblutungsstörungen leiden, liege der Anteil sogar bei unter 20 Prozent. „Dabei ist das Risiko von Amputationen bei Diabetespatienten besonders hoch“, gab Böckler zu bedenken.

Auch Patienten mit einer chronisch-venösen Insuffizienz (CVI) erhielten nur selten die notwendige Behandlung. Sie bestehe zunächst in der Verordnung von Kompressionsstrümpfen, die offene Beine verhindern könnten. „Nach einer Datenanalyse der Barmer GEK wird nur bei 17,4 Prozent der Patienten mit CVI vor Auftreten einer Wunde eine adäquate Kompressionstherapie durchgeführt“, berichteteDiener. Liege ein Ulcus cruris vor, steige der Anteil auf 33,6 Prozent, was aber ebenfalls zu wenig sei. „Die Kompressionstherapie fördert die Abheilung eines Ulcus cruris venosum und ist deshalb zentraler Bestandteil der Behandlung“, sagte Diener. Für die Patienten sei die Behandlung eines Ulcus cruris eine frustrierende, weil langwierige Angelegenheit. „Hausärzte und Allgemeinmediziner fühlen sich in der Behandlung chronischer Wunden häufig unsicher“, sagte der Hamburger Gefäßchirurg. „Untersuchungen zeigen, dass die Heilungschancen um elf Prozent steigen, wenn wenigstens ein wundrelevanter Facharzt in die Behandlung einbezogen wird.“

Die DGG bemüht sich eigenen Angaben zufolge, die Versorgungslücken zu schließen. Im vergangenen Jahr habe man die Kampagne „Ihre Wunde in unsere Hände“ gestartet. Offene Beine, die trotz Behandlung innerhalb von drei Monaten nicht abgeheilt sind, sollten demnach einem Gefäßchirurgen vorgestellt werden. „Er kann alles aus einer Hand anbieten“, erläuterte Diener. „Von der Diagnostik und konservativen Therapie über die Wundheilung bis hin zu minimal invasiven Eingriffen, offenen Operationen und einfachen plastischen Deckungsmaßnahmen, bei denen Haut verpflanzt wird, um die Wunde zu verschließen.“

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2014 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH