Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Datenschutz: Telematikinfrastruktur gerät erneut unter Beschuss

Vor gut einer Woche berichtete der NDR nach gemeinsamen Recherchen mit der Süddeutschen Zeitung über Sicherheitsrisiken in der IT-Infrastruktur vieler Arztpraxen. Demnach sind zahlreiche Arztpraxen nur unzureichend vor Hacker-Angriffen geschützt. Die Journalisten berufen sich dabei auf ein vertrauliches Papier der Gesellschaft Gematik, wonach mehr als 90 Prozent der an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossenen Praxen Sicherheitsrisiken in ihrer IT-Infrastruktur aufweisen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) reagierte schnell und richtete eine Hotline für Ärztinnen und Ärzte ein. „Aktuelle Medienberichte, nach denen zahlreiche Arztpraxen nur ungenügend vor Hacker-Angriffen geschützt seien, haben erneut zu einer großen Verunsicherung geführt. Mit unserem Serviceangebot wollen wir Ärzte und Psychotherapeuten bei Fragen rund um den sicheren Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) Unterstützung bieten“, erklärte KBV-Vorstandschef Dr. Andreas Gassen hierzu. Die Hotline ist unter der Telefonnummer 030 4005 2000 montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags bis 17 Uhr sowie per E-Mail (it-security@kbv.de) erreichbar.

Allerdings wies Gassen die in den Medienberichten erwähnten Zahlen scharf zurück: „Das ist einfach Unfug und trägt nur zur Verunsicherung von Ärzten und Patienten bei.“ Bei den 90 Prozent handele es sich offenbar um Praxen, deren Konnektor im sogenannten Parallelbetrieb installiert wurde – eine der zwei Standardvarianten, die nach Auskunft der Gematik ebenso sicher sei wie der Reihenbetrieb. Auch die Gematik stellte in einer Pressemitteilung klar, dass ein zusätzlich parallel installierter Konnektor nichts am Schutzniveau des bestehenden Internetzugangs einer Praxis ändere. Richtig installiert, würden Patientendaten in der Praxis sogar effektiver als bisher geschützt. Allerdings sei jeder Arzt für die Sicherheit seiner Praxis-IT selbst verantwortlich, betonte die Gematik. „Gelangt Schadsoftware wie Viren und Trojaner in das IT-System einer Arztpraxis, wird das nicht durch einen parallel installierten Konnektor verursacht, sondern durch mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen der Praxis-IT kombiniert mit einer möglicherweise unbedachten Internetnutzung.“

Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner, der seit geraumer Zeit mit der Gematik und ihrer TI auf Kriegsfuß steht, mochte sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden geben. „Die permanenten Versuche der Gematik, sich ihrer Verantwortung zu entziehen, indem sie versucht, diese den Praxisinhabern zuzuschustern, sind infam und hochgradig unlauter“, sagte er und verwies auf das Schutzprofil der aktuell in den Praxen verbauten Konnektoren, wonach „Leistungserbringer eine Kompromittierung eines ihrer IT-Systeme im LAN nicht sicher verhindern bzw. nicht in jedem Fall frühzeitig erkennen können.“ Für Baumgärtner ist damit klar, dass „BMG, Gematik und BSI mindestens seit 2014 Bescheid wissen, dass die Praxen die Anforderung, die Sicherheit ihrer Systeme bei einem TI-Anschluss zu gewährleisten, schon rein technisch nicht erfüllen können.“ Baumgärtners Fazit: „Bei der TI ist nur sicher, dass sie unsicher ist!“

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2014 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH