Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Forum AOP 2019: Chancen und Grenzen der sektorenübergreifenden Versorgung

Wenn es um die sektorenübergreifende Versorgung geht, starten Politik und Krankenkassen ihre Gedankenspiele für neue Versorgungsmodelle zumeist bei den Krankenhäusern anstatt im ambulanten Sektor, der für die meisten Menschen immer noch die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen darstellt. Dies wurde beim mittlerweile 6. Forum Ambulantes Operieren vom 15. bis 16. Berlin, das die Firma B. Braun alljährlich ausrichtet, deutlich. So erarbeiten Politik, Krankenkassen, ärztliche Selbstverwaltung und Berufsverbände Positionspapiere, entwickeln Konzepte und tüfteln an Modellen für eine einheitliche Vergütung. Doch ein echter Durchbruch ist bislang nicht in Sicht.

Für den Kongressleiter Dr. Stephan Dittrich sieht es auch nicht danach aus, als ob sich daran in naher Zukunft etwas ändern wird. „Entgegen den öffentlichen Verlautbarungen beobachten wir sogar wieder eine stärkere Sektorierung.“ So gebe die zuständige Bund-Länder-Arbeitsgruppe bislang keine Antworten auf die Frage, wie die beiden Sektoren integriert werden sollen. Selektivverträge etwa tauchten im Konzept der Arbeitsgruppe kaum auf, kritisierte Dr. Dittrich.

Den nächsten Anlauf in Richtung sektorenübergreifende Vernetzung – und damit auch Stärkung des Ambulanten Operierens – unternimmt der Gesetzgeber mit dem MDK-Reformgesetz, das am 7. November 2019 vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde. Es sieht u. a. vor, dass die Selbstverwaltung ein Gutachten über einen Katalog ambulant stationsersetzender Eingriffe und sonstiger stationsersetzender Behandlungen beauftragt sowie eine einheitliche Vergütung dieser Leistungen auf Grundlage des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) entwirft. Insbesondere letzteren Punkt empfinden Vertragsärztinnen und -ärzte als problematisch. So betonte Dr. Dittrich: „Ich halte den EBM für ungeeignet, das Ambulante Operieren abzubilden, auch wenn aktuell wohl niemand daran rütteln möchte.“

Dr. Dittrich sieht das geforderte Gutachten zudem aufgrund des engen Zeitrahmens als „Bewährungsprobe für die Selbstverwaltung“: Bereits bis zum 31. März 2020 sollen Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der GKV-Spitzenverband das Gutachten beauftragen. Die Gutachter selbst haben dann ein Jahr Zeit für ihre Arbeit, und bis zum 30. Juni 2021 soll die Selbstverwaltung den fertigen Katalog nebst Vergütungssystem vorlegen. Auch Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft, sieht das vorgelegte Tempo kritisch: „Der neue AOP-Katalog soll 3.000 Positionen enthalten, die alle überarbeitet werden müssen. Um das hinzubekommen, braucht es belastbare Kanäle zwischen den Partnern.“ Doch grundsätzlich zeigte er sich aufgeschlossen für ein engeres Zusammenspiel der beiden Sektoren: „Es gibt allein durch den Fachkräftemangel große Kapazitätsgrenzen. Urbanisierung, Digitalisierung und geändertes Patientenverhalten sind weitere Herausforderungen. Das wird die Sektoren zwangsläufig näher zusammenbringen“, meinte Schreiner.

Eine Chance für dieses Zusammenrücken sieht der Anästhesist Dr. Andreas Bartels, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Rheinland-Pfalz, in Praxiskliniken bzw. Intersektoralen Gesundheitszentren (IGZ) nach dem im Oktober 2018 von der KBV vorgelegten Modell. Danach sollten defizitäre kleine Klinikstandorte – insbesondere im ländlichen Raum – unter der Regie der vertragsärztlichen Selbstverwaltung in neue, flexible Einheiten transformiert werden, welche die regionale Grundversorgung ebenso wie die klassische ambulante und die erweiterte ambulante Versorgung sicherstellen. Diese IGZ bzw. Praxiskliniken könnten eine Vielzahl von Indikationen abdecken, bei denen eine kurzzeitige stationäre Aufnahme sinnvoll sein kann – etwa bei akuter oder chronischer Bronchitis oder Pneumonie, Herzinsuffizienz, hypertensiven Krisen, diabetischen Stoffwechselentgleisungen, Gastritis, Diarrhö oder Mangelernährung.

„Für die Patienten wäre das erweiterte Leistungsangebot im IGZ eine echte Alternative zur Schließung eines defizitären Krankenhauses“, meinte Dr. Bartels. Doch die neuen Einrichtungen bräuchten als dritter Sektor eine zusätzliche Finanzierung. In der darauffolgenden Diskussion zeigte sich, warum der Prozess dennoch nicht so recht vorangeht, sondern sich immer wieder im Kreis dreht. Denn genau damit stoßen die Befürworter von IGZ auf den Widerstand der Krankenhausgesellschaften. Für Dr. Bartels nicht nachvollziehbar, denn „in diesen Verhandlungen sind die Krankenhäuser nicht außen vor. Viele von ihnen betreiben ja Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und könnten sich auf diese Weise andocken.“ 

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