Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Aktueller BNC-Spot zur Reform der Notfallversorgung

BNC-Spot vom 10. Jnauar 2020

Verantwortlich für den Gesamtinhalt des SPOT: Dr. Christoph Schüürmann
Texte / Redaktion: Dr. Christoph Schüürmann, Rosemarie Plassmann

Notfallreform, alles gut?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

noch ist es ein Gesetzesentwurf (Referentenentwurf), aber die Linie darin ist ziemlich klar. Die Notfallversorgung  wird zukünftig massiv umgebaut. Dabei ist das Wort Notfall in vielen Fällen in dem Zusammenhang überhaupt nicht angemessen, häufig müsste es eher Spontanfall heißen.

Die KBV freut sich, die Deutsche Krankenhausgesellschaft tobt, also ganz übliche Verhältnisse und Fronten in der Sektorenwelt.

Die KVen sollen einen modifizierten Sicherstellungsauftrag bekommen, bisher Sicherstellung der ambulanten Versorgung durch Praxen zu den Sprechstundenzeiten, die ja durch das TSVG noch erhöht worden sind, und eine ärztliche Bereitschaftsdienstregelung zu den sprechstundenfreien Zeiten, in jedem Bundesland anders geregelt.

Nun soll es zukünftig mit den Rufnummern 112 und 116117 ein gemeinsames Notfallleitsystem (GNL) geben, in den auch der Rettungsdienst eingebunden ist.

Weiterhin sollen an mehrheitlich von Kassen und KVen ausgesuchten Krankenhäusern Integrierte Notfallzentren (INZ) entstehen unter der Leitung der Vertragsärzte, die dazu notwendigen vertraglichen Regelungen zwischen Krankenhäusern und KV`en werden sicher noch spannend. Krankenhäuser, die kein INZ bekommen, sollen eine Halbierung der Notfallvergütung erhalten.

Und, jetzt kommt es: Diese INZ sollen rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche und somit durchschnittlich an 364 Tagen im Jahr erreichbar und tätig sein.

Das ist eine ganz neue Nummer!

Ich weiß nicht, wie lange die Freudensäußerungen der KBV noch anhalten werden, wenn die damit implementierten Details klar sind. Wie gesagt, es ist noch ein Referentenentwurf. Wahrsagen ist schwer, insbesondere, wenn es die Zukunft betrifft, wie es sinngemäß ungefähr ein Philosoph einmal gesagt hat.

Aber zur Saldofrage wird es ganz wichtig sein, ob ein finanzieller Mehr- oder Minderaufwand bei der Umstellung herauskommt, wenn man die bisherigen ärztlichen Bereitschaftsdienste sowie die ambulante Notfallbehandlung im Krankenhaus und deren Behandlungsbedarfe mit den neuen INZ und deren erweiterten Zeiten vergleicht. Auch denke ich, wird der darin ausgelöste Behandlungsbedarf unter den Argusaugen der Krankenhäuser, die mit am Tisch sitzen, langfristig nicht vergleichbar sein. Wenn da keine ganz klaren Einschränkungen vereinbart werden, was im INZ gemacht werden darf oder was nicht, wird aus der beabsichtigten Notfallbehandlung eine Rund-um-die-Uhr-Spontan- und Normalbehandlung werden zusätzlich in Konkurrenz zu den Arztpraxen!

Das kann auch zur Folge haben, dass sich plötzlich Kolleginnen und Kollegen unvermutet zum Dienst eingeteilt in einem INZ wiederfinden, die so etwas schon lange nicht mehr gemacht haben. Wie gesagt, es kommt in jeder Hinsicht, auch was das Personal betrifft, auf den zukünftigen Saldo an.

Große Teile der Patientenschaft, die immer wieder vollkommen unnötig die Notfallorte aufsuchen, werden dieses zusätzliche Freibier mit Freude konsumieren, ihr Verhalten weiter ändern und ihre Präsenz noch erhöhen. Dabei möchte ich ausdrücklich betonen, dass damit nicht die Menschen gemeint sind, die aus Angst, Unsicherheit oder mit veritablen akuten Verletzungen und Erkrankungen Notdienste in Anspruch nehmen (müssen), was selbstverständlich ist. Aber ich werde weiterhin behaupten, das ist die Minderheit. Es gibt unstrittige Erhebungen, dass die Hauptinanspruchnahme von Notfallambulanzen in Krankenhäusern regelmäßig an ganz normalen Montagen gegen 11 Uhr vormittags stattfindet – also zu Praxisöffnungszeiten!

Die bisherige Vergütung der ambulanten Notfallbehandlung im Krankenhaus und im Ärztlichen Bereitschaftsdienst erfolgt über die KVen im sogenannten Vorwegabzug zum Orientierungspunktwert in voller Höhe und wird also von der nachfolgenden Honorarverteilung abgezogen.

Zukünftig sollen die INZ extrabudgetär bezahlt werden, das bedeutet, es wird folgerichtig wieder Bereinigungen geben. Unabhängig davon, dass die Höhe der bisherigen Vergütung für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst und die ambulante Notfallversorgung im Krankenhaus von der Kassenseite ein Witz ist (wie so oft), wird der Anteil, und das sind wahrscheinlich mehr als 10 %, in dem Prozess von der MGV bereinigt werden, da er „einkalkuliert“ ist – und das betrifft uns dann alle.

Es wird ganz genau darauf ankommen, wie dann die Bereinigungsprozedur vereinbart wird, damit das Geld für unsere tägliche Arbeit nicht darüberhinaus noch weniger wird. Auch hier werden die Details und der Saldo die Wahrheit ans Licht bringen. Und wir reden hier nicht über Peanuts, es gibt ca. 20 Millionen sogenannte Notfallpatienten pro Jahr, etwa hälftig in den Ärztlichen Bereitschaftsdiensten und in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser.

Also, ich weiß derzeit noch nicht, ob ich mich jetzt schon richtig freuen soll, insbesondere, wenn zukünftig der Personalbedarf steigt und ich mir vorstelle, dass Kolleginnen und Kollegen nach einem anstrengenden chirurgischen Arbeitstag in der Praxis in einem INZ weiterarbeiten „dürfen“, um am nächsten Tag ohne Pause frisch und munter die alltägliche Arbeit in ihrer Praxis wieder aufnehmen zu dürfen, das wäre dann für uns erneut steinzeitmäßiger Arbeitsschutz. Und das kann es nicht sein ! Insbesondere für Einzelpraxen undenkbar; BAG könnten das organisieren, aber nur unter erheblichem eigenem finanziellen Verlust, der auch im Saldo aufzuführen ist. Da müssen noch ganz genaue Regelungen her!

Sinn des Ganzen soll ja sein, dass Notfallambulanzen entlastet werden – eher, dass viele „Kriegszustände“ durch Überinanspruchnahme dort seltener werden, und dass es grundsätzlich zu weniger stationären Aufnahmen aus den Notfallambulanzen kommen soll (bislang etwa 50 %!). Dafür sollen wir jetzt ran.

Fürchtet die „Spahnaer“, auch wenn sie Geschenke bringen, kann ich da nur zitieren !

Beste Grüße, Ihr Christoph Schüürmann, 1. BNC-Vorsitzender

Sie können den BNC-Spot auch als PDF-Datei hier herunterladen.

 

 

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2020 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH