Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Bundeskongress Chirurgie 2020: Erstaunlich gute Stimmung in Nürnberg

 

Gegenüber dem Vorjahr konnte der Kongress einen Besucherzuwachs verzeichnen: Knapp 1.100 Besucherinnen und Besucher wurden an den beiden Kongresstagen vom 7. bis 8. Februar 2020 am Tagungsschalter gezählt. In den Vortragssälen ebenso wie in der Industrieausstellung war die Stimmung insgesamt auffallend positiv – was sicherlich nicht an den 21 Gesetze lag, mit denen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in den 21 Monaten seiner bisherigen Amtszeit eindeutige Duftmarken im deutschen Gesundheitswesen hinterlassen hat. Zum Vergleich: Unter früheren Regierungen brachte das Gesundheitsressort im Schnitt fünf neue Gesetze pro Jahr ein.

Wie zu erwarten, wurde in den politischen Sitzungen viel über das im Mai 2019 in Kraft getretene Terminservice-Versorgungsgesetz (TSVG) diskutiert. Doch längst stehen etliche weitere Neuregelungen in den Startlöchern – etwa das Digitale Versorgung Gesetz (DVG), das Gesetz zur Reform der Notfallversorgung, das MDK-Reformgesetz, das Faire-Kassenwettbewerb-Gesetz und demnächst auch das Patientendaten-Schutzgesetz (PDSG). Dem Krankenhausbereich bereitet vor allem die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) Kopfzerbrechen, im ambulanten Sektor steht ein neuer Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM) vor der Tür.

Beim TSVG sind den Vertragsärztinnen und -ärzten vor allem die massiven Eingriffe in ihre Praxisorganisation ein Dorn im Auge. Im stationären Sektor führen die Personaluntergrenzen zu mehr Druck auf die ärztlichen Stellenpläne. Die finanziellen Zwänge des DRG-Systems gefährden die ärztliche Therapiefreiheit in den Krankenhäusern, während im niedergelassenen Bereich Abrechnungszwänge die ärztliche Entscheidungsfreiheit einschränken. Wie erklärt sich also die überwiegend positive Stimmung unter den Kongressteilnehmenden? Vielleicht waren es Aussagen wie die von BAO-Präsident Dr. Neumann, der trotz allem herausstelle: „Das Beste am TSVG ist doch, dass mit Jens Spahn erstmals ein Bundesgesundheitsminister die Krankenkassen dazu gebracht hat, für Extra-Leistungen wie die zusätzlichen Sprechstunden auch zusätzliches Geld auszugeben.“

Oder ein Bericht des BNC-Vorsitzenden Dr. Christoph Schüürmann, der über die 2018 in Erfurt beschlossene neue (Muster)Weiterbildungsordnung (MWBO) berichtete, die nun zunehmend in den Bundesländern verbindlich umgesetzt wird. Der BNC habe hier unter anderem erreicht, dass vielerorts die Venenchirurgie wieder als Handlungskompetenz  in die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinchirurgie integriert wurde. Zudem ermögliche es die neue MWBO angehenden Allgemeinchirurginnen und -chirurgen bei geschickter Kombination der Weiterbildungsinhalte, schneller als bisher auch die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie zu erwerben und sich damit für die Übernahme chirurgischer Bestandspraxen zu rüsten. „Wir sollten die künftigen Kolleginnen und Kollegen darüber informieren, damit sie diese neue allgemeinchirurgische Weiterbildung mit ihren besonderen Kombinationsmöglichkeiten auch ausreichend annehmen“, forderte Dr. Schüürmann. Detaillierte Informationen zur MWBO und ihren Auswirkungen auf die Praxisübernahme kann man auf den Vortragsfolien von Dr. Schüürmann nachlesen – sie stehen für BNC-Mitglieder im passwortgeschützten Mitgliederbereich zur Verfügung.

Diese Meldung ist ein Auszug aus einem ausführlichen Bericht über die politischen Diskussionen beim Bundeskongress Chirurgie, der in der kommenden Ausgabe der Verbandszeitschrift Chirurgen Magazin + BAO Depesche erscheinen wird.

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