Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Bundeskongress Chirurgie: Rheumachirurgie, Knick-Senkfuß und OSG-Bandverletzungen

Den Anfang machte Dr. Anke Röser (München), amtierende Vize-Präsidentin der Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (GFFC), mit ihrem Vortrag über fußchirurgische Eingriffe bei Rheumapatienten. Hierbei dürfe man nicht vergessen, dass die Rheumatoide Arthritis (RA) eine systemische Erkrankung ist und auch die fußchirurgische Tätigkeit damit im interdisziplinären Zusammenhang gesehen werden muss. Auch bei der OP-Planung müsse man berücksichtigen, dass die medikamentöse Basistherapie die Wundheilung beeinträchtigen und Infektionen begünstigen kann, und weiterhin, dass ein akuter Rheumaschub die postoperative Mobilisation erschweren kann. Auch die verminderte Knochenqualität bei Rheuma könne die postoperative Rehabilitation verzögern. Für die Stadieneinteilung rheumatischer Vorfußdeformitäten habe sich die alte radiologische Klassifikation nach Larsen, Dale und Eek (LDE) bewährt. Trotz moderner Antirheumatika komme es immer noch zu monströsen Fehlstellungen. Hier müsse individuell abgewogen werden, ob eine gelenkerhaltende Rekonstruktion möglich ist oder eine Arthrodese bzw. Totalendoprothese des oberen Sprunggelenks indiziert ist.

Dr. Hartmut Stinus (Nördlingen), amtierender Präsident der GFFC, berichtete über das Vorgehen bei der Insuffizienz der Tibialis posterior-Sehne, gemeinhin Knick-Senkfuß genannt. Ziel der Therapie beim Knick-Senkfuß sei die Begradigung des Fußes. Die Fehlstellung sei meist konservativ behandelbar. Im fortgeschrittenen Stadium böten sich für die gelenkerhaltende Operation beim Knick-Senkfuß die Naht der Tibialis posterior-Sehne oder der Transfer der Flexor digitorum longus (FDL) an. Für knöcherne Korrekturen empfahl Dr. Stinus die medialisierende Calcaneusosteotomie (ggf. Evans Osteotomie, Arthrorise, Plantarisierung des Metatarsale per Cotton-Osteomie, Lapidus-Arthrodese oder flektierender Metetrasale 1-Osteotomie). Bei starkem Verschleiß und fehlender Funktion der Tibialis posterior-Sehne könne beim Knick-Senkfuß eine Arthrodese im unteren Sprunggelenk notwendig werden. Bei der Double-Arthrodese würden meist das talonaviculare und das subtalare Gelenk versteift. Biomechanisch komme es bei der Double-Arthrodese der Chopart-Gelenkreihe auch zur Blockierung des unteren Sprungelenks. Bei Arthrose im unteren Sprunggelenk oder instabilem Subtalargelenk sei eine Triple-Arthrodese angezeigt. Als Komplikationen könnten insbesondere eine Restfehlstellung und Pseudarthrose (in ca. 10 bis 15 Prozent der Fälle) sowie eine Verletzung des N. suralis auftreten. Wie Dr. Stinus betonte, sind insgesamt bei korrekter Indikation die Ergebnisse mit über 90 Prozent Zufriedenheitsrate allerdings sehr gut.

Prof. Markus Walther (München), Ehrenbeirat der GFFC, stellte die Diagnostik und Therapie von Bandverletzungen am oberen Sprunggelenk (OSG) sowie der Syndesmose dar. Einbandverletzungen sowie Verletzungen mit guter Adaption der Bandstümpfe in der Bildgebung lassen sich seiner Einschätzung nach gut konservativ behandeln. Die hohe Evidenz für eine erfolgreiche konservative Behandlung bestehe allerdings nur für die akute Erstverletzung – bei Second Stage-Läsionen und vorbestehender Instabilität hingegen gebe es diese Evidenz nicht. Weil die operative Versorgung einer chronischen Instabilität auch im Intervall von einigen Monaten mit guten Ergebnissen möglich sei, bestehe kein Zeitdruck für eine Operation. Läsionen des lateralen Bandapparats gingen häufig mit Begleitverletzungen einher, weshalb bei untypisch hohem Schmerzniveau und anhaltenden Beschwerden eine Diagnose mittels adäquater Bildgebung erzwungen werden sollte. Eine persistierende Instabilität des Sprunggelenks erhöhe das Risiko für degenerative Veränderungen im Gelenk. Bei Verletzungen der Syndesmose gab Prof. Walther eine eindeutige Empfehlung ab: Jede Form der Syndesmosen-Instabilität sollte stabilisiert werden.

In der kommenden Ausgabe unserer Zeitschrift Chirurgen Magazin + BAO Depesche, die Ende Februar 2020 erscheint, finden Sie eine Reihe von Fachartikeln aus dem Gebiet der Fußchirurgie – darunter auch umfassende Ausführungen von Dr. Hartmut Stinus und Prof. Markus Walther zu den oben genannten Themen.

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