Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Bundeskongress Chirurgie: Vorgehen bei Bissverletzungen

Die Sitzungen des „Jungen Forums“ waren in dieser Form ein Novum beim Bundeskongress Chirurgie 2020, der vom 6. bis 7. Februar 2020 in Nürnberg stattgefunden hat. Hier diskutierten „alte Hasen“ mit dem chirurgischen Nachwuchs – in der Sitzung „Anspruchsvolle Wundversorgung“ etwa berichtete Dr. Alfred Tylla, Orthopäde und Unfallchirurg sowie leitender Arzt des interdisziplinären Wundteams (iWT) in Neumarkt, über das optimale Management von Bissverletzungen.

60 bis 80 Prozent aller Bissverletzungen gingen auf Hundebisse zurück, hierbei sei in 90 Prozent der Fälle der eigene oder ein bekannter Hund verantwortlich, denn hier verlören Menschen eher die Angst und verhielten sich unachtsam, erklärte Dr. Tylla. Zu Bissverletzungen komme es häufig dann, wenn das Tier sich erschreckt oder beim Fressen gestört wird. 20 bis 30 Prozent der Fälle gingen auf das Konto von Katzenbissen, weitere 10 Prozent stammten von anderen Tierarten wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamstern, Ratten oder Mäusen.

Wichtigste diagnostische Maßnahmen seien Labor und Klinik, bei der Therapie komme es in erster Linie darauf an, die Keimbelastung in der Bisswunde zu reduzieren. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht Dr. Tylla zufolge bei tiefen, verschmutzten Wunden, starker Gewebezerstörung, Ödemen, schlechter Durchblutungssituation sowie Verdacht auf Gelenk- bzw. Implantatbeteiligung. Besonders infektionsgefährdet seien dabei Bisswunden an Händen, Füßen, Gesicht und Genitalien.

Welcher Biss aus infektiologischer Sicht besonders gravierende Folgen hat, hänge auch von der Art des Gebisses des Angreifers und den resultierenden Verletzungsmustern ab. So hätten Katzen spitze und dünne Zähne, die bei einem Biss nur eine kleine Einstichstelle ohne Abflussmöglichkeit für Keime verursachten. Hier komme es in 30 bis 50 Prozent der Fälle zu Infektionen. Anders dagegen Hunde, deren breitere Zähne bereits bei der Verletzung eine größere Einstichstelle und damit bessere Abflussmöglichkeit für Keime hinterließen. Hier liege die Infektionsrate mit 5 bis 25 Prozent deutlich niedriger. Nach Bissen durch Menschen, deren Mahlzähne noch einmal andere Verletzungsmuster verursachen, komme es in 15 bis 25 Prozent zu Infektionen.

Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um das geeignete chirurgische Management von Katzenbissen: Frühzeitige intravenöse Antibiose? Stationäre Aufnahme? Exzision des Stichkanals? Operation in Blutleere? Röntgenkontrolle, um ggf. abgebrochene Zahnfragmente zu detektieren? Revision des Bisskanals? Keimabstrich und genaues Antibiogramm? Wundverschluss per Naht? Infiltration mit Lokalanästhetikum? Die Teilnehmenden fanden nicht in allen Punkten einen gemeinsamen Konsens, doch in einem Punkt waren sie sich alle einig: Katzenbisse sind nicht zu unterschätzen, und man sollte sein Augenmerk immer darauf richten, einen Keimabfluss aus der Inzisionsstelle zu ermöglichen.

Aktuelles | Über den BNC | Bundeskongress | Für Patienten | Presse | Landesverbände | Mitgliederbereich | Partner | Veranstaltungen | Praxisbörse | Chirurgensuche | FAQ für Ärzte | Kontakt Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. © 2020 | Impressum | Datenschutzhinweise | Design & Umsetzung: zollsoft GmbH