Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Podiumsdiskussion in Hamburg: Jens Spahn wünscht sich starke Berufsverbände

Die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft ist vorbei, die Hamburger CDU hat in der Hansestadt ein historisch niedriges Ergebnis eingefahren. Auch auf Bundesebene verschieben sich die Koordinaten der Volkspartei von Tag zu Tag. Überraschend hat nun Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, nicht für den Parteivorsitz zu kandidieren und stattdessen Armin Laschets Kandidatur zu unterstützen. Als der Minister sich gemeinsam mit seinem Hamburger Parteifreund, dem Hamburger Ex-Sozialsenator Dr. Dietrich Wersich, am 19. Februar im Hörsaal der UKE-Augenklinik den Fragen des Publikums stellte, waren diese Entwicklungen allerdings noch nicht absehbar. Und so rührten die beiden CDU-Größen kräftig die Wahlkampftrommel, während die Gastgeber von der Facharztklinik Hamburg die Gelegenheit nutzen, um den Hamburger Belegärzten über eine Stunde ungeteilte Aufmerksamkeit des Ministers zu verschaffen.

Der ärztliche Leiter der Facharztklinik, der niedergelassene Orthopäde und Vorsitzende des Landesverbandes Hamburg des Berufsverband der Orthopäden und Unfallchirurgen (BVOU) Dr. Torsten Hemker, erzählte die Erfolgsgeschichte der seit 2008 auf dem UKE-Gelände ansässigen Belegklinik, die von über 80 niedergelassenen Fachärzten getragen wird: „Die Patienten werden von ihrem persönlich bekannten Arzt operiert, dieses Vertrauensverhältnis und die lückenlose Nachbehandlung machen den besonderen Qualitätsfaktor unserer Arbeit aus.“ Auch das UKE profitiere von der Kooperation mit der Facharztklinik, die sich als wichtiger Faktor für die Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses etabliert habe: „Bei uns sind die Operationen so rasch getaktet, dass es für Ärzte in der Weiterbildung mehr Möglichkeiten gibt, die vorgeschriebenen OP-Zahlen zu absolvieren“, erklärte Dr. Hemker.

Der kaufmännische Geschäftsführer der Facharztklinik, Christian Ernst, ergänzte: „Was wir hier machen, ist die Urform der Integrierten Versorgung, denn es gibt keine Schnittstellenverluste zwischen den Sektoren.“ Doch obwohl das belegärztliche Operieren sämtliche politischen Forderungen nach sektorenübergreifender Versorgung erfülle, werde es von Jahr zu Jahr wirtschaftlich unattraktiver. Er kritisierte insbesondere die Rahmenbedingungen des honorarärztlichen Belegarztwesens, das 2009 ins Gesetz aufgenommen wurde. Dabei würden Belegärzte in der Klinik mit einem Honorarvertrag angestellt, blieben rechtlich aber Belegärzte und würden aus der Hauptabteilungs-DRG bezahlt – allerdings mit einem Abschlag von 20 Prozent. „Herr Minister, streichen Sie diesen ungerechtfertigten und nicht nachvollziehbaren Abschlag“, forderte Ernst unter dem Beifall des Publikums.

Welcher Sinn hinter dem 20-prozentigen Abschlag beim belegärztlichen Operieren steckt, vermochte Spahn zwar nicht zu beantworten: „Diese 20 Prozent haben sicher einen guten Grund, den ich aber gerade nicht nennen kann. Ich kenne nicht alle Regelungen bis ins kleinste Detail – vor allem nicht wenn sie aus einer Zeit stammen, als ich noch nicht Gesundheitsminister, sondern Staatssekretär im Finanzministerium war“, sagte der Minister. „Doch Sie können sich sicher sein, dass wir im BMG nicht morgens aufstehen und uns überlegen, wie wir Sie heute am besten ärgern könnten.“ Spahn sicherte deshalb zu, das Thema im Ministerium auf die Agenda zu setzen: „Ich nehme das mit, denn wir wollen schließlich die Belegärzte und das Ambulante Operieren stärken. Das ist mir enorm wichtig, denn ich möchte das Verhältnis zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor von Grund auf reformieren.“

Bei grundsätzlichen Fragen dieser Art wünschen sich viele Ärztinnen und Ärzte, dass sie intensiver in die Debatte einbezogen werden. So meldete sich der Leiter eines ambulanten OP-Zentrums im Publikum mit den Worten: „Wir sind ein mittelständisches Unternehmen außerhalb der Krankenhausstrukturen. Doch in der aktuellen Diskussion werden wir überhaupt nicht gefragt – wie sollen wir da einen Beitrag zur Kosteneinsparung leisten?“ Spahns Antwort auf diese Frage war ein klares Plädoyer für die politische Interessenvertretung durch ärztliche Berufsverbände: „Es gibt in Deutschland über 100.000 Arztpraxen. Mich erreichen jeden Tag mindestens zehn Einladungen, mir dieses oder jenes Konzept anzusehen. Das ist schon allein aus Zeitgründen nicht machbar. Bündeln Sie Ihre Interessen in Verbänden, die Sie politisch vertreten! Es heißt zwar so oft, das seien alles böse Lobbyisten, doch wir in der Politik brauchen die Verbände als Ansprechpartner!“

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