Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Studie: Wie kann man die Arbeitssicherheit in der Kolorektalchirurgie verbessern?

Chirurgen haben sowohl im Operationssaal als auch während der weiteren Versorgung ihrer Patienten häufig mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten Kontakt. Zudem besteht für sie ein höheres Risiko, sich an scharfen Gegenständen zu verletzen. Chirurgen, die Erkrankungen des Darms behandeln, sind dabei in besonderem Maß Krankheitserregern ausgesetzt. Darauf hat der Thieme Verlag  mit Blick auf eine aktuelle Übersichtsarbeit hingewiesen, die das Risiko für solche Gefahren am Arbeitsplatz beleuchtet, Wege zur Risikominimierung aufzeigt und Handlungsempfehlungen für den Ernstfall gibt. Die Übersichtsarbeit von Janet T. Lee und Wolfgang B. Gaertner von der University of Minnesota, USA wurde in einer Sonderausgabe von „Clinics in Colon and Rectal Surgery“ (Thieme, New York. 2019) veröffentlicht. Darin finden sich Expositionsraten bei den unterschiedlichen operativen Disziplinen ebenso wie Transmissionsraten verschiedener Erreger und Zahlen zu den volkswirtschaftlichen Folgen der Exposition mit Körperflüssigkeiten und Krankheitserregern.

Auf Basis ihrer Erhebungen empfehlen die Autoren, im Operationssaal zwei Paar Handschuhe übereinander zu tragen, es sei denn, dies mindere den Behandlungserfolg. Weil gerade bei kolorektalen Operationen Blut und andere Flüssigkeiten verspritzen können, sollte man überdies eine Schutzbrille und Schutzkleidung tragen – auch bei kleineren Eingriffen im Bereich des Anus. Der Operateur sollte darüber hinaus im direkten Anschluss die Hände schnell und ausreichend lange waschen. Für den Fall, dass Chirurgen unbeabsichtigt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen, sollten unbedingt geeignete Melde- und Testverfahren zur Verfügung stehen und eingehalten werden, forderten die Autoren. Bei einer potenziellen HIV-Exposition müsse umgehend eine Prophylaxe eingeleitet werden. Bei der Behandlung von Patienten mit Durchfallerkrankungen, insbesondere bei einer Infektion mit Clostridium difficile, sollten Chirurgen und Personal besonders auf die Handhygiene und die ordnungsgemäße Reinigung potenziell kontaminierter Oberflächen achten, da die Hände auch beim Tragen von Handschuhen mit Erregern verunreinigt werden könnten.

„Indem wir auf die spezifischen Arbeitsplatzrisiken in der kolorektalen Chirurgie hinweisen, möchten wir das Bewusstsein schärfen, die Aufklärung verbessern und helfen, Schutzmaßnahmen zu identifizieren, um so potenzielle Risiken für alle Beteiligten zu reduzieren“, erklärten die Autoren. Der aktuelle Leistungsdruck im Gesundheitswesen und die Arbeitsverdichtung im Krankenhausalltag steigerten die physischen und psychischen Anforderungen. Dies gefährde Chirurgen, Ärzte in Weiterbildung, ihre Familien und letztlich die Patienten gleichermaßen.

Quelle: Janet T. Lee und Wolfgang B. Gaertner: Workplace Exposures
Clinical Colon and Rectal Surgery 2019; 32 (6); S. 435–441

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