Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Lehren aus Corona: Vor allem der ambulante Sektor sollte gestärkt werden

Vor einigen Tagen hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina eine vierte Ad-hoc-Stellungnahme zur Coronavirus-Pandemie in Deutschland vorgelegt. Während die ersten drei Stellungnahmen sich mit akuten gesundheitspolitischen Maßnahmen im Umgang mit der Pandemie sowie mit den psychologischen, sozialen, rechtlichen, pädagogischen und wirtschaftlichen Maßnahmen beschäftigt hatten, geht es in der neuen Stellungnahme um die Zukunft der patientenwohlorientierten medizinischen und pflegerischen Versorgung unter den Bedingungen einer anhaltenden Pandemie. In der Stellungnahme heißt es unter anderem: „Die Konfrontation mit einer neuen Viruserkrankung hat deutlich gemacht, wie wichtig eine patientenwohlorientierte und zugleich forschungsnahe Krankenversorgung und hierbei insbesondere die Rolle der Universitätsmedizin ist: nicht nur für die rasche Entwicklung von Präventions-, Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten, sondern auch für die Etablierung geeigneter Versorgungs-strukturen und die Weitergabe der Erkenntnisse an andere Akteure im Gesundheitssystem.“

Speziell an diesem Fokus auf die Universitätsmedizin stört sich der Spitzenverband Fachärzte (SpiFa). Das veröffentlichte Papier beinhalte für die darin getroffenen Aussagen und Empfehlungen weder Literaturnachweise oder Quellenangaben, welche diese wissenschaftlich unterlegen. Es sei also davon auszugehen, dass es sich bei dem Papier der Leopoldina lediglich um eine eminenzbasierte Stellungnahme handelt, betonte der SpiFa. Lars F. Lindemann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, erklärte dazu: „Sechs von sieben Covid-19-Infizierten wurden ambulant behandelt, vor einem solchen Hintergrund den Fokus in der vorgelegten Stellungnahme auf die Universitätskliniken zu richten, erscheint zumindest etwas kurz gegriffen und bei einigen Beteiligten herkunftstreu. Der ambulante Bereich war der Airbag und das Rückgrat in der Corona-Pandemie in Deutschland, wurde aber bei den Überlegungen der Leopoldina leider komplett ausgespart.“

Und auch der Virchowbund mahnte, nun die richtigen Lehren aus Corona ziehen. Wenn nun allerlei Konjunkturprogramme aufgelegt würden, dürfe eine zentrale Lehre aus der Corona-Krise nicht vergessen werden: „Der wichtigste Baustein muss die Stabilisierung und der Ausbau des Gesundheitswesens in Deutschland und in Europa sein. Nur mit einem leistungsfähigen Gesundheitswesen können die Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden“, erklärte Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes. „Das Gesundheitswesen hat eine weitaus größere Beschäftigtenzahl und eine größere Bruttowertschöpfung als beispielsweise die Automobilindustrie. Unser Gesundheitssystem hat uns gut durch die Krise geführt. Angesichts der weltweiten Bedrohungen durch weitere Pandemien oder die medizinischen Folgen des Klimawandels ist es elementar, das Gesundheitswesen auszubauen“, forderte Dr. Heinrich. Kern des Erfolges bei der Bewältigung der Corona-Pandemie in den ersten Wochen sei zweifelsfrei der ambulante Sektor gewesen. Zwischenzeitlich seien rund 500 Testzentren im ambulanten Bereich im Betrieb gewesen. 1.750 Callcenter-Mitarbeiter hätten in den Leitstellen der 116 117 Koordinationsarbeit geleistet. In den Laboren der niedergelassenen Ärzte habe man zuletzt rund 110.000 Tests täglich durchgeführt.

Ein Aufbauprogramm des bundesdeutschen Gesundheitswesens muss nach Einschätzung des Virchowbundes daher im Wesentlichen aus vier Punkten bestehen:

  • Ausbau des flächendeckenden ambulanten Angebots an Haus- und Fachärzten,
  • Stärkung der Pflege, aber auch der Medizinischen Fachangestellten in den Praxen,
  • Bereitstellung der erforderlichen Investitionen für notwendige Klinikstandorte,
  • Weiterentwicklung der Krankenhausstrukturen durch Überführung in ambulante Strukturen, wo immer möglich.

Dr. Heinrich ergänzte hierzu: „Wir haben gesehen, dass wir die Krankenhäuser der Maximalversorgung mit Spezialisten und Beatmungsplätzen brauchen. Wir haben aber auch gesehen, dass viele kleinere Kliniken in Kurzarbeit gegangen sind – oder zunächst viel Freizeitausgleich gewährt haben. Diese Strukturen haben in der Krise gezeigt, dass sie nicht arbeiten mussten, weil die Behandlungen aufgeschoben werden konnten. Bei einer Weiterentwicklung dieses Sektors müssen wir diskutieren, ob wir sie nicht in ambulante oder kurzstationäre Strukturen überführen sollten.“

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