Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Zurück im Streitmodus: DKG wettert gegen die Niedergelassenen

Wer im Zuge der Corona-Pandemie die Hoffnung hegte, dass die Krise alle Akteure im Gesundheitswesen ungeachtet von Sektoren- oder Fachgebietsgrenzen zusammenschweißt, der wurde in den vergangenen Tagen eines Besseren belehrt. Zumindest die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) teilte schon wieder kräftig gegen den ambulanten Sektor aus. Bei der Präsentation eines Positionspapiers zu den „Lehren aus der Pandemie für eine gute Krankenhauspolitik“ erklärte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum, bei der Bewältigung der Pandemie hätten Krankenhäuser Aufgaben der ambulanten Versorgung übernehmen müssen, weil viele Praxen geschlossen gewesen seien. Der niedergelassene Bereich habe in der Pandemie nicht das geleistet, „was bei einer funktionierenden ambulanten Versorgung möglich gewesen wäre“, zitierte der Ärztenachrichtendienst (ÄND) Baum. Im Positionspapier selbst heißt es wörtlich: „Ohne die bereits vorhandenen und in der Krise nochmals aufgestockten ambulanten Behandlungskapazitäten der Krankenhäuser (Fieberambulanzen usw.) wäre die ambulante vertragsärztliche Versorgung schnell an ihre Grenzen gestoßen. Die Refinanzierung des Aufbaus zusätzlicher ambulanter und stationärer Kapazitäten durch die Krankenhäuser war vielerorts zunächst unzureichend geklärt, so dass die Krankenhäuser zum Teil gezwungen waren, auf Eigenmittel zurückzugreifen und damit in finanzielle Vorlage zu treten.“ 

Bei den Berufsverbänden der Niedergelassenen und in der Selbstverwaltung sorgten diese Äußerungen für gehörigen Unmut. So mahnte der Spitzenverband Fachärzte (SpiFa) prompt: „Liebe DKG, Krise geht nur gemeinsam!“ SpiFa-Chef Dr. Dirk Heinrich erklärte: „Mit einem beispiellosen Engagement aller Beteiligten im Gesundheitswesen hat das deutsche Gesundheitswesen die Krise im internationalen Vergleich bislang gut bewältigt. Darüber freuen wir uns alle, jedoch jetzt davon zu sprechen, dass dies ausschließlich auf die besondere Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser zurückzuführen sei, ist blanker Unsinn! Sechs von sieben Corona-Patienten wurden durch ambulant tätige Fachärzte in der haus- und fachärztlichen Versorgungsebene behandelt. Diese haben den Kollaps der stationären Versorgungsstrukturen erfolgreich verhindert.“

Auch in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wunderte man sich über die Selbstwahrnehmung der DKG. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen sagte: „Es ist schon bemerkenswert, in welcher dreisten Art und vor allem mit welcher Unkenntnis Herr Baum versucht, die hervorragenden Leistungen der Vertragsärztinnen und Vertragsärzte in der Corona-Krise kleinzureden. Sechs von sieben Corona-Patienten werden in Deutschland ambulant versorgt. Das ist Herrn Baum offenbar entgangen. Ebenso, dass die Praxen Infektionssprechstunden und spezielle Hausbesuchsdienste anbieten oder ihre Patienten per Video versorgen, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.“ Dass die Ärzte in den Krankenhäusern teilweise vor leeren Betten standen und nicht wie in Italien oder Spanien die Intensivstationen mit Patienten gefüllt waren, die beatmet werden mussten, habe nicht zuletzt an der ausgezeichneten ambulanten Versorgung gelegen.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (zi) kritisierte die DKG ebenfalls und verwies auf Statistiken zu ersten Quartal 2020, wonach die Zahl der Hausbesuche im organisierten Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen in der Corona-Krise deutlich gestiegen war. „Die Aussagen der Deutschen Krankenhausgesellschaft sind mit der Datenlage nicht vereinbar“, sagte Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zi. „Einen Ansturm auf die Notfallambulanzen hat es nicht gegeben. Das Gegenteil ist der Fall. Im Zuge der Corona-Krise war die Bevölkerung sehr vorsichtig mit Besuchen in den Notfallambulanzen, was zu den erheblichen Fallzahlrückgängen führte. Dieser Rückgang wurde zum Teil durch den fahrenden Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen aufgefangen.“ Das Zi kündigte an, Ende Juli den kompletten Zahlenbericht zur Veränderung der Inanspruchnahme in der vertragsärztlichen Versorgung im Zuge der Corona-Krise zu veröffentlichen.

Wenig überrascht hingegen zeigte sich der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), Dr. Norbert Metke, über die Äußerungen der DKG: Die Verantwortlichen bei der DKG hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt, meinte Metke: „Für sie ist Nach-Corona so wie Vor-Corona: Man vergräbt sich in den gewohnten Schützengräben der Altdialektiker, übersieht die Realität und setzt sich der Gefahr aus, die Öffentlichkeit zu täuschen, indem man Zahlen nicht kennt oder nicht nennt, schießt wild um sich und versucht damit vielleicht irgendeinen Vorteil zu Lasten des ambulanten Systems zu erzielen. Eigentlich schade. Aber wer hat etwas anderes von der DKG als Klamottenkiste erwartet?“

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