Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V.

Auch die DIVI teilt aus: „KVen haben sich oftmals aus der Verantwortung gezogen“

Nach der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die kürzlich gegen die niedergelassenen Vertragsärzte gewettert und ihre Leistung in der Corona-Krise hinterfragt hatte, hat sich auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in die Diskussion eingemischt. Gegenüber der Presse erklärte die DIVI, auch während der COVID-19-Pandemie seien die Notaufnahmen der Krankenhäuser erste Anlaufstelle für Akut- und Notfallpatienten. „Dagegen scheinen sich die Kassenärztlichen Vereinigungen als Vertretung der niedergelassenen Ärzte oftmals aus der Verantwortung zurückgezogen zu haben“, kritisierte DIVI-Sprecher Professor André Gries die vertragsärztliche Selbstverwaltung. „Wer während besonderer Ereignisse wie der aktuellen Pandemie Praxen schließt und für Patienten nicht erreichbar ist, verspielt seine Glaubwürdigkeit, auch in Zukunft eine tragende Rolle übernehmen zu können“, sagte Gries – und warb damit für eine dominierende Rolle des Krankenhaussektors bei der ausstehenden Reform der Notfallversorgung in Deutschland und der geplante Einrichtung von Integrierten Notfallzentren (INZ). „Die Kliniken haben klare Führungskompetenz bewiesen – das muss die Politik jetzt berücksichtigen!“ Bundesweit berichteten Klinikärzte, dass Praxen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Patienten an die Notaufnahmen beziehungsweise zum SARS-CoV-2-Test an die Teststellen der Krankenhäuser verweisen. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass sich die KV in zahlreichen Regionen aus der Versorgung ausgeklinkt hat“, sagte Gries. Auch wenn es teilweise sehr engagierte und kooperierende niedergelassene Kolleginnen und Kollegen gebe, sei die KV im Vergleich zu den Klinik-Notaufnahmen einer Vielzahl von Patienten nicht gewachsen, reagiere zu langsam und zeige sich im Widerspruch zum bestehenden Versorgungsauftrag oft auch nicht zuständig. 

Diese erneute Pauschalkritik mochten Vertreter der Niedergelassenen natürlich nicht auf sich sitzen lassen. So erklärte der Bundesvorsitzende des Virchowbunds, Dr. Dirk Heinrich, mit seinen Behauptungen lasse Prof. Gries „die Katze aus dem Sack“. Dr. Heinrich erwiderte: „Es geht hierbei nicht um Corona. Die Pandemie wird benutzt, um den zu erwartenden und notwendigen Abbau von Klinikstrukturen zu verhindern, indem er bei der Notfallversorgung ein Monopol des stationären Sektors durch den Ausbau der angeblich völlig überforderten Notaufnahmen fordert. Ich bin mir sicher, die Intensiv- und Notfallmediziner vor Ort haben kein Verständnis dafür, dass einer ihrer Funktionsträger unter Zuhilfenahme von falschen Behauptungen das Lied der Klinikmanager und Krankenhausgesellschaften singt und ihren niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen derart in den Rücken fällt.“ Dr. Heinrich betonte, die Äußerungen der DIVI seien mit keiner einzigen belastbaren Zahl hinterlegt. Bemühe man jedoch die Zahlen, so werde schnell das Gegenteil der DIVI-Behauptungen sichtbar: So habe man zu Beginn der Pandemie erhebliche Fallzahlrückgänge von etwa 25 Prozent in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser festgestellt. Zeitgleich sei die Zahl der Hausbesuche im organisierten Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen in den letzten beiden Märzwochen des Jahres 2020 um etwa 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – weil die Kassenärztlichen Vereinigungen ihre fahrenden Bereitschaftsdienste ausgebaut hätten. Zeitgleich hätten im März 113 und im April 868 Krankenhäuser Kurzarbeit angemeldet. Viele Kliniken hätten darüber hinaus die Kurzarbeit umgangen, indem ein Überstundenabbau bei Ärzten und Pflegepersonal angeordnet wurde. „Die Zahlen belegen also genau das Gegenteil der Behauptungen der DIVI. Sie widerlegen deshalb die Forderung der DIVI, dass bei einer Reform der Notfallversorgung der ambulante Bereich ausgeschlossen werden soll. Eine Notfallversorgung ohne Vertragsärzte fährt direkt an die Wand!“, stellte Dr. Heinrich fest. „Fakt ist vor allem aber, dass die Bewältigung der Pandemie in Deutschland nur durch das wirkungsvolle Miteinander von starken ambulanten Strukturen und einer leistungsfähigen Kliniklandschaft bislang so erfolgreich war“, ergänzte Dr. Heinrich.

Unterstützung erhielt Dr. Heinrich unter anderem von der Ärztegenossenschaft (ÄG) Nord eG: „Die Niedergelassenen Vertragsärzte waren die tragende Säule im Rahmen der Corona Krise und werden es erneut sein, sollte uns im Herbst oder Winter eine zweite Welle ereilen, was wir alle nicht hoffen“, heißt es in einer Mitteilung der Genossenschaft. In Schleswig-Holstein hätten bei der Bewältigung der Corona Pandemie der stationäre Bereich und die ambulante Versorgung sehr gut zusammengearbeitet. So habe man in Schleswig-Holstein an zehn Krankenhausstandorten Diagnostikzentren etabliert, in denen Patienten mit Verdacht auf eine Infektion von Ärzten aus der ambulanten Versorgung getestet wurden, um die Notaufnahmen zu entlasten. Verdachtspatienten mit leichten Infektionserscheinungen seien ins häusliche Umfeld unter Quarantäne entlassen, von Hausärzten regelmäßig überwacht und bei einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufs durch den Fahrenden Dienst der niedergelassenen Ärzte besucht worden, ebenfalls um die Krankenhäuser zu entlasten. Dr. Svante Gehring, Vorstandssprecher der ÄG Nord, erklärte hierzu: „Es  ist eine Frechheit, die Ausnahmesituation der Pandemie zu nutzen, um die wirtschaftlichen Interessen einer Lobbygruppe durchzusetzen. Wir sollten froh sein, dass es uns gemeinsam gelungen ist, Verhältnisse wie in einigen anderen Ländern der Welt zu vermeiden. Gerade Kollege Professor Andre Gries hat sich aus unserer Sicht mit diesen Äußerungen als ernstzunehmender Verhandlungspartner disqualifiziert.“ Aus Sicht der ÄG Nord ist die Leistung der niedergelassen Ärzte und ihrer Praxisteams, den Hunderttausenden Medizinischen Fachangestellten, im Rahmen der Bewältigung der ersten Welle der Pandemie viel zu wenig Beachtung geschenkt worden. „Eigentlich ist es müßig, auf die ‚Fake News’ dieses Verbandssprechers zu reagieren, aber übelriechende Stimmungsmache an der Grenze zwischen ambulant und stationär gefährdet unsere Bemühungen um enge Kooperation zwischen den Sektoren“, schloss Dr. Gehring.

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