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Studie: Erhöhtes postoperatives Sterberisiko bei Menschen mit Demenz

Dass eine vorbestehende Demenz mit schlechteren OP-Ergebnissen einhergeht, ist bekannt. Allerdings wurden die Zusammenhänge bislang kaum systematisch und mit Blick auf die jeweiligen Eingriffsarten untersucht. In einer retrospektiven Vergleichsstudie analysierten Forscher aus Boston nun die Daten von 164.551 Patienten mit (im Schnitt 81 Jahre alt) und 2.320.668 ohne Demenz (im Schnitt 74 Jahre alt) aus über 800 Krankenhäusern aus den Jahren 2016 bis 2018. Bei den Eingriffen handelte es sich in der Gruppe mit Demenz an erster Stelle um die operative Versorgung von Hüft- oder Femurfrakturen (16,5 Prozent) am häufigsten, auf Platz 2 der durchgeführten Operationen lag der totale oder partielle Hüftgelenkersatz (9,9 Prozent). Bei den Patienten ohne Demenz dagegen stand der Kniegelenkersatz mit 8,6 Prozent an erster Stelle, danach folgten verschiedene gefäßchirurgische Eingriffe. Um einen Hüftgelenkersatz handelte es sich in dieser Gruppe nur in 5,6 Prozent der Fälle.

Die alters- und geschlechtsjustierte Auswertung ergab, dass Patienten mit Demenz ein um 15 Prozent höheres postoperatives Sterberisiko aufwiesen als kognitiv gesunde Altersgenossen. Außerdem war ihr Risiko mit +70 Prozent deutlich erhöht, nach dem Klinikaufenthalt gar nicht oder erst später (im Schnitt um 2,35 Tage) nach Hause entlassen zu werden. Besonders deutlich erhöht war dei Klinikmortalität von Demenzpatienten bei Eingriffen am Urogenitaltrakt (+59 Prozent). Das Risiko, nach der OP nicht aus dem Krankenhaus entlassen zu werden, war besonders hoch nach einer Amputation an Bein oder Fuß (+45 Prozent). Mit einem deutlich verlängerten Klinikaufenthalt schienen vor allem Eingriffe an Haut, Weichteilgewebe oder Brust verbunden zu sein (+ 2,59 Tage).

Die genannten Risiken sollten nach Einschätzung der Studienautoren in die allgemeine präoperative Nutzen-Risiko-Abschätzung einbezogen werden. Sie empfehlen für Patienten mit bestehender Demenz außerdem ein geriatrisches Co-Management. Die Autoren weisen allerdings auch auf die Einschränkungen ihrer Studie hin: So liefere die retrospektive Studie kaum Informationen zur Lebenssituation vor der Krankenhauseinweisung, zum Schweregrad der Demenz und zu prognostischen Faktoren wie Gebrechlichkeit (Frailty). Außerdem geben sie zu bedenken, dass keine Langzeitdaten verfügbar sind.

Quelle: JAMA Network Open. 2020;3(7):e2010395,
doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.10395

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